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Wie ist eine Schildkröte "gebaut" ?
Ich versuche hier möglichst einfach (auch für den Laien verständlich) zu erklären. Diese Beschreibung erhebt keinen wissenschaftlichen Anspruch ;-)
Im landläufigen Sinne versteht jeder unter einer Schildkröte ein sehr robustes Tier mit einem harten Panzer und stark beschuppten Beinen, die alle Teile des Körpers quasi
unangreifbar machen. Dies ist jedoch ein Trugschluss ! Ganz im Gegenteil:
Eine Schildkröte ist eigentlich ein sehr sensibles, empfindliches
Tier, das es über Jahrmillionen durch perfekte Tarnung und einen geeigneten
Körperbau verstanden hat, sich so lange Zeit zu behaupten.
Die Tarnung besteht aus einem artspezifischen
Zeichnungsmuster auf dem Panzer. Auch wenn es uns scheint, dass dieses
Muster gut zu sehen ist, es verschwindet in der natürlichen Umgebung
zwischen den Grashalmen und dem Laub, zwischen dem sich die Schildkröte
aufhält. Auf weitere Distanz ist sie daher für ihre Feinde kaum
mehr zu erkennen.
gut getarnt |
Dies ist ihr einziges Mittel, sich ihren Feinden zu entziehen, denn eine Schildkröte kann nicht übermässig
schnell laufen und sich auch kaum wehren (auch wenn sie bei Gefahr sehr heftig beissen kann ! :-) ). Wird sie angegriffen, zieht sie sich meist sofort in ihren Panzer zurück und schliesst mit ihren dicht und grob beschuppten Beinen die kleinen, seitlichen öffnungen, um den Kopf und ihre
Organe zu schützen. Sie hofft darauf, dass der Feind von ihr ablässt.
Ist der Feind jedoch mit guten Zähnen ausgerüstet (Ratten, Mäuse,
Marder, Füchse, etc.), dann kann er sie allerdings tödlich verletzen.
Es passiert immer wieder, dass Schildkröten während der Winterruhe
z. B. bei lebendigem Leibe von Ratten an- oder ausgefressen werden, wenn das Winterquartier
im Freiland oder in einer Garage nicht mit einem kräftigen Gitter
gesichert ist. Sogar in den Sommermonaten im Freilandgehege besteht vor
allem nachts diese Gefahr !
Genauso können fliegende Feinde der Schildkröte gefährlich werden: Krähe, Bussard, Elster,
u. dgl. ! Grössere Vögel können selbst 300 g schwere Schildkröten problemlos davontragen und verstehen es sehr gut, sie anzuhacken und sich dadurch Zugang zum Kopf und den inneren Organen zu verschaffen, was für die Schildkröte meist tödlich endet.
Der Panzer einer Schildkröte hat meist eine hochgewölbte Form, was ihn schon mal wesentlich tragfähiger und belastbarer macht. Dadurch werden der Kopf und die wichtigen Organe besser geschützt. Seine Form und Höhe ist in der Regel sehr gut dem Vorkommensgebiet und der Lebensweise der Schildkröten angepasst. Bei Schildkröten, die in felsigen Gebieten leben und sich in Felsspalten verstecken oder die sich tief eingraben, ist der Panzer eher flach ausgelegt (siehe die Flachrückenschildkröten Südafrikas (Homopus spec.), die Spaltenschildkröten (Malacochersus tornieri) aus Zentral-Afrika oder auch die asiatischen Steppenschildkröten.
Je weniger versteckt die Lebensweise der Tiere ist, desto höher ist ihr Panzerbau. Vor allem bei den grossen Arten, wie z. B. Asterochelys (Geochelone) radiata aus Madagaskar, ist dies gut zu beobachten.

Madagassische Strahlenschildkröte im Biotop
Dies macht die Schildkröten sicher weniger empfindlich gegenüber äusseren Einflüssen (Schlag, Stoss, Sturz) und sie können mit dem grösseren Volumen auch länger die Wärme speichern.
Unsere europäischen Landschildkröten haben einen mittlhohen Panzer, was ihm einerseits eine gute Tragfähigkeit verleiht und andererseits können sich die Tiere zur Nacht oder zur Winterruhe einfach in ein lockeres Substrat oberflächlich eingraben. Dagegen weisen die asiatischen Steppenschildkröten einen eher flachen Panzerbau auf. Das ermöglicht ihnen ein leichteres Eingraben in ihre tiefgelegenen Höhlen, damit sie sich besser vor den in ihrem Habitat herrschenden Extremtemperaturen schützen können.
Der Panzer besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen: dem Rückenpanzer (Carapax) und dem Bauchpanzer (Plastron). Diese sind seitlich durch die "Brücke" verbunden. In der Regel ist der Panzer ein starres, unbewegliches Gebilde. Einzelne Landschildkrötenarten haben jedoch am Plastron ein Scharnier, das Teile des Bauchpanzers beweglich macht. Dieses Scharnier kann hinten und/oder vorne, jeweils zwischen den Beinen, sitzen. Bei sehr wenigen Arten (z. B. Kinixys spec.) sitzt das Scharnier im Rückenpanzer. Diese beweglichen Panzerteile, mit denen die Schildkröten ihren Panzer recht dicht verschliessen können, schützen die Schildkröte während einer Ruhezeit vor Austrockung und machen sie für Feinde weniger angreifbar. Bei manchen Arten erleichtern sie den Weibchen die Eiablage, weshalb dann meist auch nur die weiblichen Tiere dieser Art ein Scharnier im hinteren Plastronbereich aufweisen.
Hier verschiedene Bilder von einem Panzer:
Auf den Rippen befinden sich Knochenplatten (die mit den Rippen fast verschmelzen) und darauf die dünnen Hornplatten, die wir als Panzeroberfläche sehen können. Unter den Hornplatten auf dem Knochen befindet sich eine ganz feine Haut, die Knochenhaut. Wer schon einmal einen Tritt an's Schienbein bekommen hat, weiss, wie empfindlich diese Knochenhaut ist und wie schmerzhaft jeder Stoss dagegen sein kann. Genauso ergeht es einer Schildkröte, wenn sie einen Schlag gegen ihren Panzer erlebt. Ebenso spürt sie jedes Kratzen und Schaben am Panzer und die frühere Unsitte, in den Panzerrand ein Loch zu bohren, um das Tier an einer Schnur im Garten festzubinden, war damals schlichtweg Tierquälerei. Der Panzer ist zwischen den Hornplatten und dem Panzerknochen nämlich nicht nur mit Nerven durchzogen, sondern er ist auch relativ gut durchblutet.
Wie die Bilder oben schon recht gut zeigen, ist der Kochenbau der Schildkröten ein diffizil ausgeklügeltes Bauwerk, das in erster Linie auf optimale Beweglichkeit und enorme Tragfähigkeit ausgerichtet ist. Die Knochen bestehen, wie bei uns, hauptsächlich aus einer Kalzium-Phosphor-Verbindung. Deshalb müssen die Schildkröten immer gut mit Kalzium versorgt werden, vor allem wachsende Jungtiere und eierlegende Weibchen (die für die Beschalung der Eier viel Kalzium benötigen). Wachsen die Jungtiere zu schnell oder steht nicht genügend Kalzium zur Verfügung, dann wird nur ungenügend Kalzium in die Knochen eingelagert. Stattdessen werden die Knochen aus einer Art "Ersatzmaterial" gebildet. Dieses Ersatzmaterial ist nur ungenügend fest, oft sehr porös und für einen schweren Panzer zu wenig stabil. Solche Tiere neigen im Laufe der Zeit auch unter Knochenverformungen, was sich besonders in den Gelenken und am Kiefer bemerkbar macht. Siehe hierzu auch das Kapitel "Krankheiten/Rachitis".
Betrachtet man sich einmal die Füsse einer Schildkröte genauer, so sieht man, dass ihre vermeintlichen "Klumpfüsse" durchaus aus einzelnen Zehen bestehen, die evtl. für eine bessere Grabfähigkeit zu diesem kompakten Fuss zusammengefasst sind.
Hier einige Bilder davon:
![]() Unterschenkel und Hinterfuss |
![]() Unterarm und Vorderfuss |
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![]() Unterschenkel und Hinterfuss einer T. graeca graeca mit sehr großen Fersenschuppen |
![]() Hinterfuss einer T. horsfieldii hier fallen die kräftigen Krallen und die fehlenden grossen Fersenschuppen auf |
![]() Unterarm und Vorderfuss einer T. graeca graeca mit 5 Zehen/Krallen |
![]() Unterarm und Vorderfuss einer T. horsfieldii: mit nur 4 kräftigen Zehen/Krallen |
Demnächst geht's weiter :-) !
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