Kleiner Madagaskar-Leguan, Sandleguan (Chalarodon madagascariensis) biologische Eigenarten
Der kleine Madagaskar-Leguan
(Chalarodon madagascariensis)

biologische Eigenarten von Chalarodon


Da Chalarodon madagascariensis in einem klimatisch sehr extremen Biotop angesiedelt ist, hat der Leguan eine sehr eigene, angepasste Lebensweise mit einigen interessanten Eigenarten entwickelt.

Diese Art benötigt sehr hohe Temperaturen, um sich wohlzufühlen. Erst bei einer Strahlungstemperatur von rund 50°C zeigt sie durch sein Farbwechselvermögen eine schöne orange-braune Färbung. Ist es zu kühl oder auch beim morgendlichen Aufwärmen dominieren die Farben Dunkelbraun, Schwarz und Beige. Diese dunklen Farbtöne zeigen die Tiere auch, wenn sie bei zu geringen Lichtmengen gehalten werden. Mehr dazu aber unter "Beleuchtung".

Da die Tiere sich in ihren unterirdischen Gängen ihre Schlafhöhle bei ca. 38,5°C anlegen (tagsüber im aufgewärmten Terrarium gemessen) gehe ich davon aus, dass auch ihre Vorzugstemperatur etwa bei 38,5°C liegen dürfte. So lange die Höhlen feucht genug sind, werden die Eingänge zu ihrem Gangsystem (es werden mehrere Eingänge angelegt) gut verschlossen. Dabei streifen die Tiere bei Betreten des Ganges mit dem Schwanzende den Sand von der Oberfläche so lange um die Eingangsöffnung herum, bis sie komplett verschlossen ist. Von aussen ist dann nicht mehr zu erkennen, dass hier jemand wohnt. Ist das Gangsystem innen aber zu trocken, dann bleiben die Eingänge geöffnet, vermutlich um Tau oder Regenwasser hereinzulassen. Nach einem "Regen" im Terrarium werden die Eingangsöffnungen wieder verschlossen.

Um sich vor Fressfeinden zu schützen, können die Leguane ihren Schwanz abwerfen, der dann zwar nur unvollständig (viel kürzer und stumpfer) regeneriert, aber trotzdem seine Beweglichkeit behält. Überhaupt hat der Schwanz der Tiere mehrere besondere Aufgaben: Bei Anspannung (z. B. beim Beobachten eines Futterinsekts) wedeln sie ganz langsam mit dem Schwanz, wie eine mäusejagende Katze. Genauso verrät der wedelnde Schwanz Unruhe und Unsicherheit gegenüber einem rangniedereren Tier, vor allem bei den jungen Männchen. Anschliessend geht das ranghöhere Tier zum Angriff über, wenn der Gegenspieler nicht rechtzeitig das Feld verlässt. Gerade bei den Weibchen wird der Schwanz aber auch zu ihrem Schutz eingesetzt. Ist ein Männchen in agressiver Stimmung hinter einem Weibchen her, läuft sie ihm davon und hebt gleichzeitig ihren Schwanz, den sie dann fast über den Rücken rollt (evtl. als eine Agressionshemmung). Gleichzeitig zeigen sich dadurch die breiten gelblich-weissen Streifen links und rechts auf der Oberschenkel-Hinterseite. In diesem Augenblick hält das Männchen inne und lässt von dem Weibchen ab. Das wiederum machen sich gewitzte Weibchen zu nutze, in dem sie ihren Männchen sogar Futterinsekten unmittelbar vor der Nase wegfangen oder sie ihnen diese sogar aus dem Maul zerren und sie auch noch ungestraft fressen können. Die Männchen haben dann das Nachsehen :-)

Bei Rangproblemen und auch bei der Balz kommt bei den Männchen ein unscheinbarer, gezackter Rückenkamm zum Vorschein, der vom Halsansatz bis zur Schwanzwurzel reicht. Das verwunderliche dabei ist, dass dieser Kamm nur "bei Bedarf" anschwillt und bis ca. 5 mm hoch aufgestellt wird, aber im "Ruhezustand" nicht zu erkennen, also quasi gar nicht vorhanden ist. Dieses Verhalten zeigen die Männchen erst ab Erreichen der Geschlechtsreife. Bei den Weibchen habe ich nie einen Rückenkamm beobachtet.

Chalarodon: Rückenkamm
Der Rückenkamm ist in "Normalstellung" fast nicht zu erkennen
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Chalarodon: Rückenkamm
Der aufgestellte Rückenkamm ist nur wenige Millimeter hoch
(Bild anklicken zum Vergrößern)


Drohendes Weibchen


Beide Geschlechter haben dazu eine recht interessante Körpersprache: Zur Begrüssung, aber auch als Drohgebärde nicken sie ruckartig mit dem Kopf (in unterschiedlichen Frequenzen, je nach Stimmung) und blähen ihre Kehle auf, wobei die Männchen den grösseren Kehlsack haben. Auch gegenüber anderen Echsenarten werden diese Drohgebärden eingesetzt, auch wenn diese grösser als die Leguane sind. Selbst mein kleinstes Weibchen erstreitet sich dadurch ungeniert seinen Sonnenplatz gegenüber den fast doppelt so voluminösen Schildechsen (Tracheloptychus petersi) und man sitzt dann in holder Eintracht unter dem Strahler. Ist das Kopfnicken nicht Drohgebärde genug, stellen sich die Leguane breitseits ihrem Widersacher oder Konkurenten gegenüber, sperren das Maul auf und blähen sich mächtig auf. Dadurch wirken sie fast doppelt so gross (Siehe Bild links).


Ihre Beutetiere nehmen die Leguane ausschliesslich optisch wahr und nur dann, wenn sich die Futterinsekten bewegen; dafür aber noch in enorm grossen Entfernungen von mehreren Metern, welche aber in einem enorm schnellen Spurt überwunden werden können. Für die Länge des Terrariums (130 cm) benötigen die Tiere im Spurt weniger als eine Sekunde. Pflanzliche Futtermittel dagegen werden mittels Sehsinn und Geruchssinn identifiziert. Dazu wird das Futter nach dem Erkennen nach Leguanart mit der Zunge "berochen", d. h. sie ziehen die Geruchspartikel mit der kurzen, stumpfen Zunge über ihr Geruchsorgan im Gaumen. Wasser wird überwiegend in Form von Sprühwasser-Tropfen oder, seltener, auch aus Wasserschälchen aufgenommen. Um ihren Elektrolythaushalt im Gleichgewicht zu halten, scheiden die Chalarodon überschüssige Salze über die Nase aus. Zeitweise bildet sich deshalb um die Nasenlöcher ein schmaler, weisser, etwas krustiger Ring.

Das Parietalauge am Hinterkopf
Das sogenannte Parietal-Auge am Hinterkopf
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Eine Besonderheit ist das voll funktionsfähige Parietal-Auge der Tiere. Dies ist der kümmerliche Rest eines "dritten Auges" am Hinterkopf. Bei Chalarodon ist es mit einem auffälligen hellen Rand abgegrenzt. Im Zentrum des Parietalauges befinden sich Reste von Sehzellen eines "richtigen" Auges, was die Tiere dazu befähigt, damit Licht, aber auch Temperaturen wahrzunehmen.



Chalarodon bei der Häutung
Chalarodon bei der Häutung
(Bild anklicken zum Vergrößern)

Bei der Häutung eines gesunden Tieres öffnet sich die alte Haut an der Wirbelsäule entlang wie durch einen Reissverschluss und klappt dann zu den Seiten auf. Insgesamt häuten sich die Tiere in vergleichsweise grossen Hautstücken und der gesamte Häutungsprozess dauert nie länger als 2 Tage, manchmal sogar nur einen Tag. Die Leguane zupfen dabei die alten Hautstückchen z. T. auch selbst ab. Abweichungen in Art und Länge der Häutungsphase deuten immer auf einen Mangelzustand (Licht, Temperatur, Nahrungsqualität) oder auf eine Krankheit hin. In so einem kargen Biotop wird wirklich alles verwertet, was fressbar ist. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die Tiere während der Häutung auch ihre eigene abgestossene Haut fressen.

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Die Homepage wurde zuletzt aktualisiert am 29.12.2017    © E. K.