Kleiner Madagaskar-Leguan, Sandleguan (Chalarodon madagascariensis) Klima
Der kleine Madagaskar-Leguan
(Chalarodon madagascariensis)

Klima


Vergleicht man die untenstehenden Tabellen mit denen einer deutschen Stadt (ich habe hier der Einfachheit halber "mein" München gewählt), sieht man sehr schnell einige "kleine" Unterschiede. Grundsätzlich muss man sich bei der Betrachtung der Tabellen und Grafiken bewusst machen, dass Madagaskar auf der Südhalbkugel der Erde liegt, was anfangs sicherlich etwas schwer fällt. Das bedeutet für uns den gewöhnungsbedürftigen Umstand, dass in Madagaskar der Sommer auf die Monate Dezember bis Februar fällt und der Winter auf die Monate Juni bis August.

Die gesamten Temperaturen liegen im Durchschnitt rund 15 - 20°C höher als in Deutschland. Eine sommerliche Maximal-Lufttemperatur von rund 40°C im Schatten lässt in den Mittagsstunden kaum eine Aktivität zu. Selbst im Herbst, 6 Wochen vor der Wintersonnenwende, kann man Mittags-Lufttemperaturen von über 30°C - 35°C messen. Bei Bodentemperaturen von über 60°C kann ein Mensch nicht mehr barfuss über den Sandboden laufen, ohne Brandblasen zu bekommen. Die Leguane laufen jedoch bei solchen Temperaturen zur Höchstform auf.

Wenn man sich den jahreszeitlichen Temperaturverlauf auf den Tabellen näher betrachtet, wird deutlich, dass dort auch im "Winter" tagsüber oft Temperaturen von über 25°C bis über 30°C herrschen (wie bei uns im Sommer). Die einheimische Bevölkerung verlässt das Haus dann mit einem Jäckchen oder mit einem dünnen Pullover bekleidet, denn im Vergleich zur Gluthitze im Sommer (bis 40°C Lufttemperatur im Schatten) ist das schon sehr kalt.

Der Hauptunterschied bei den Sommer- und Wintertemperaturen ist der, dass im Winter die Nachttemperaturen um mehr als 10°C absinken, was im Sommer eher selten der Fall ist. Vergleicht man die tägliche Sonnenscheindauer zu den verschiedenen Jahreszeiten, dann ist auch da kaum ein Unterschied zu erkennen. Tuléar ist mit einer jährlichen Sonnenscheindauer von rund 3600 Sonnenstunden gesegnet und die ist damit ca. doppelt so hoch wie bei uns. Im Vergleich dazu München mit sparsamen ca. 1773 Sonnenstunden jährlich. Dies bedeutet bei der Haltung von Tieren aus dieser Region: für eine erfolgreiche Haltung im Terrarium muss man nicht nur mit Wärme sondern auch mit Licht förmlich klotzen. Sowohl die Lichtmenge, als auch die Lichtqualität spielt dabei nach meinen Beobachtungen eine massgebliche Rolle. Mickrige Leuchtstoffröhren werden kaum eine Echse und kaum eine Schildkröte richtig munter werden lassen. Mehr dazu aber im Kapitel "Beleuchtung" und "Heizung". Wichtig ist, dass man den Licht-, Temperatur- und den Feuchtigkeitsrythmus gleichzeitig entsprechend den Jahreszeiten gestaltet.

Frisch importierte, vor allem adulte Tiere, haben bei uns das Problem, dass sie jahreszeitlich gegensätzlich orientiert sind und meiner Erfahrung nach benötigen sie wenigstens etwa 1 - 2 Jahre, bis sie sich auf unseren Sommer-Winter-Rythmus umgestellt haben. Es gibt auch Halter, die ihre madagassischen Tiere nach den Jahreszeiten der Südhalbkugel halten, also in unserem Winter Sommer simulieren und umgekehrt. Das hat den Vorteil, dass im simulierten Winter für manche Tierarten eine Freilandhaltung bei echter Sonne möglich ist, da man sie dann in unserem Sommer in eine geschützte Freilandanlage umsetzen kann und das Terrarium dann im Winter aufheizt. Was für den einzelnen Halter günstiger ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. 

Da die meisten Tiere für den Export im Madagaskar-Sommer eingefangen werden, ist es relativ einfach, sie hier bei uns weiterhin unter sommerlichen Klimabedingungen zu halten, somit den Sommer quasi zu verlängern und erst in unserem nächtsen Winter auch für die Tiere Winter zu simulieren. Vor allem sind für die Art und Weise der Haltung auch technische Faktoren entscheidend, denn nicht jeder kann sein Terrarium nachts in unserem Sommer ausreichend abkühlen lassen, was dann erforderlich wäre. Ich selbst habe mich deshalb dazu entschieden, meine Madagassen auf unsere Jahreszeiten umzustellen, zumal die von mir gepflegten madagassischen Tiere (Schildkröten, Schildechsen und Leguane) im Winter allesamt eine mehr oder weniger langeTrockenruhe einhalten und somit kaum oder auch gar nicht zu sehen sind. Mehr dazu aber im Kapitel "Winterruhe".

Die Niederschlagsmenge beträgt nur gut ein Drittel unserer Niederschläge. Dabei sind aber nicht nur Regenfälle, sondern auch die Taubildung in den Wintermonaten berücksichtigt. Im Sommer sind die Tag-Nacht-Temperaturunterschiede relativ gering (i. d. R. weniger als 10°C). So findet in der Region um Tuléar den Sommer über fast keine Taubildung statt. Erst ab ca. Mitte Mai kann man den ersten Tau am Abend und nachts beobachten. Die geringen Regenfälle sind fast ausschliesslich auf die Sommermonate (Dezember bis März !) beschränkt. Allerdings ist auch in Madagaskar durch die gesamte Erd-Klimaerwärmung in den letzten Jahren eine Zunahme der Regenfälle zu verzeichnen, was mittlerweile leider verschiedene succulente Pflanzen mit Fäulnis und Absterben quittieren.

Ein wichtiger Faktor ist die errechnete potentiale Verdunstung. Dies ist ein Faktor, den bei uns die wenigsten Terrarianer einzuordnen vermögen. Dieser Faktor zeigt die Verdunstung der Feuchtigkeit bei entsprechender Sonneneinstrahlung an. Im Raum Tuléar liegt die pot. Verdunstung 3,7 mal so hoch, als Feuchtigkeit über Niederschläge (Regen, Tau) auf den Boden zurück kommt. Nur durch die hohe Luftfeuchtigkeit (auch tagsüber im Sommer um die 60 - 65%, nachts um die 80 - 95% bei Temperaturen von 20 - 40°C, was fast einem Regenwaldklima gleicht) ist sichergestellt, dass Tiere und Pflanzen dort überhaupt überleben können. Die Böden trocknen zumindest zeitweise oberflächlich völlig aus. Daher haben sich viele Tierarten dort als Überlebensstrategie an ein z. T. unterirdisches Leben angepasst, wo sie die benötigte Feuchtigkeit in den tiefer gelegenen Bodenschichten finden und durch eine Aufnahme über die Haut nützen können. Eine Menge Tierarten ziehen sich in den noch trockeneren Wintermonaten in eine Art Trockenruhe im Boden zurück oder sind dann nur zeitweise an der Oberfläche zu sehen, um Tautropfen und Nahrung aufzunehmen. Die vielen sukkulenten Pflanzenarten schützen sich vor der intensiven Sonneneinstrahlung mit einer verdickten Blattoberfläche und nehmen nachts über ihre feinen Wurzeln den Tau auf. Es ist auch erstaunlich, wie schnell diese Pflanzen vertrocknete Wurzeln durch Neubildung ersetzen können, sobald wieder Feuchtigkeit vorhanden ist. Dies dauert gerade mal wenige Tage. 

Es ist für uns kaum vorstellbar, dass in einem so trockenen und heissen Klima neben den Reptilien und verschiedensten Säugetieren und Insekten auch noch Amphibien existeren können. Trotzdem wird die Region z. T. unabhängig von einem Gewässer sogar durch Frösche bevölkert  (z. B. Tomopterna labrosa, Mantella expectata, Scaphiophryne brevis und S. calcerata)!
Die Lebensstrategie heisst dort häufig "Schneller Brüter". Sobald zu Sommerbeginn (Anfang bis Mitte Dezember) Lebensbedingungen herrschen, die eine Fortpflanzung zulassen, wird von allen Tier- und Pflanzenarten die Vermehrung in einem fast explosionsartigen Tempo eingeleitet.
Alles ist also ein extrem ausgeklügeltes Ökosystem, welches im Terrarium gar nicht so einfach nachzubilden ist und nur mit hohem technischem Aufwand gut realisiert werden kann.


Diese Tabellen zeigen Temperaturen, Luftfeuchtigkeit und Niederschläge in den verschiedenen Monaten an

Daten-Quelle: "Handbuch ausgewählter Klimastationen der Erde", Müller, Universität Trier 1996

 * = keine Daten vorhanden

im Vergleich dazu München

Das aktuelle Wetter von Tuléar sieht man hier:


 
Tuléar / Madagaskar
23° 23' S / 43° 44' O 
9 m ü. NN
J F M A M J J A S O N D Schnitt
pro
Jahr
1. mittl. Temperatur °C
27,3 27 26,3 24,4 22,2 19,9 19,4 20,2 22 23,1 24,7 26,3 23,6
2. mittl. max. Temperatur °C
 32 32  32 31 29 27 27 27 29 29 30 31 30
3. mittl. min. Temperatur °C
23 23 22 20 17 16 14 15 16 18 20 22 19
4. absol. max. d. Temperatur °C
39 40 39 37 36 33 32 35 38 39 40 38 40
5. absol. min.d. Temperatur °C
16 16 14 10 8 7 6 6 8 10 12 12 6
6. mittl. relative Feuchtigkeit %
78 78 76 76 74 75 74 74 74 76 75 79 76
7. mittl. Niederschlag mm
71 71 42 6 18 11 4 3 10 14 34 57 341
8. max. Niederschlag mm
338 191 360 10 139 45 21 51 48 103 127 193 666
9. min. Niederschlag mm
5 2 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 129
10. max. Niederschlag in 24 Std. mm
7 6 5 1 2 2 1 1 1 1 2 5 34
11. Tage mit Niederschlag > 0,1 mm
7 6 5 1 2 2 1 1 1 1 2 5 34
12. Sonnenscheindauer h
305 285 296 302 306 277 291 298 307 324 313 306 3610
13. Globalstrahlung Wh/m²
* * * * * * * * * * * * *
14. Potentielle Verdunstung mm
168 145 142 106 76 53 51 61 77 98 128 158 1263
15. mittl. Windgeschwindigkeit m/s
3,9 3,6 3,9 3,6 3,6 3,6 3,6 3,9 4,2 4,2 4,2 3,9 3,9
16. vorherrsch. Windrichtung
SW SW SW SW SSW SSW SSW SSW SSW SSW SW SW  

Zur Erklärung:
Globalstrahlung: Monatsmittel der Tagessummen von Wh/m² (Watt -"Sonnenheizleistung"- je Stunde pro Quadratmeter)
Potentielle Verdunstung: Wert der errechneten Verdunstung von Niederschlägen (Tau, Regen, Schnee) pro Monat und Jahr



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Temperaturkurven von Tuléar

Niederschlagskurven von Tuléar

Luftfeuchtigkeitskurven von Tuléar

Diese Diagramme zeigen das gesamte Klima und die Temperaturverteilung in Tuléar übers Jahr an
 
 
 
 
 

Daten-Quelle: "Handbuch ausgewählter Klimastationen der Erde", Müller, Universität Trier 1996
 

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Die Homepage wurde zuletzt aktualisiert am 29.12.2017    © E. K.