Kleiner Madagaskar-Leguan, Sandleguan (Chalarodon madagascariensis) Legenot
Der kleine Madagaskar-Leguan
(Chalarodon madagascariensis)

Legenot


Der Begriff Legenot bezeichnet bei Reptilien einen Zustand: Ein Weibchen hat Schwierigkeiten, ihre fertig ausgebildeten Eier abzulegen, wobei der vorgesehene Zeitpunkt mehr als eine Woche überschritten ist. Einerseits haben die Tiere auch in freier Natur nicht immer sofort die idealen Möglichkeiten für eine "termingerechte" Eiablage, weshalb es dabei durchaus einen geringen Toleranzbereich gibt, wo eine Eiablage zu einem etwas späteren Zeitpunkt noch kein ernsthaftes Problem darstellt. Andererseits führen "überlagerte" Eier zu mehreren ernsthaften Problemen bis hin zum Tod des Muttertieres. Legenot dürfte eine der häufigsten Ursachen, wenn nicht überhaupt die häufigste Ursache sein, warum Reptilienhalter weibliche Tiere verlieren.

Die "planmäßige" Eiablage:
Der gesamte komplexe "Vorgang Eiablage" läuft, wie ein Computerprogramm, nach einem ganz bestimmten Plan und komplett hormongesteuert ab. Er beginnt im Körper schon Tage vor der eigentlichen Eiablage mit dem Anstieg bestimmter Hormone, die das Weibchen dazu veranlassen, sich auf die Suche nach einem passenden Platz zu machen. Wie der Ablageplatz beschaffen sein muß (Substratart, Feuchtegehalt, Substrattiefe, Wärmeeinstrahlung), ist in den Weibchen genetisch festgelegt. Dazu gibt es bei den meisten Reptilienarten nur sehr wenig Spielraum! Nach einer oft ausgedehnten Suche und manchmal mehreren "Probegrabungen" wird die eigentliche Eigrube ausgebuddelt, die Eier werden darin abgelegt, die Grube wird sorgfältig wieder verschlossen und für Fressfeinde möglichst gut unkenntlich gemacht. Erst dann ist dieser komplette Vorgang für das Weibchen beendet. Störungen, egal welcher Art und zu welchem Zeitpunkt, führen bei den Weibchen nicht selten zu gesundheitlichen Problemen.

Folgeerscheinungen der Legenot:
Hat der Körper erst einmal durch eine entsprechende Hormonausschüttung den Vorgang "aktiviert", kann das Tier nur noch sehr begrenzt oder meist gar nicht mehr entgegensteuern. Die Eier werden nun durch die einsetzenden Wehen aus dem Legedarm Richtung Kloake und schließlich aus dem Körper herausgepresst, egal wie... Kann ein trächtiges Weibchen ihre fertig entwickelten Eier nicht "planmäßig" ablegen, werden die Eier im Legedarm weiterhin mit einer Kalkhülle beschalt, was zu einem vergrößerten Umfang der Eier und einer daraus resultierenden erschwerten und sehr schmerzhaften Eiablage führt, weil die Dehnbarkeit insbesondere der Kloake begrenzt ist. Zu groß gewordene Eier, die die Kloake nicht passieren können, können durch die Presswehen im Legedarm zerdrückt werden, was insbesondere bei Tieren mit hartschaligen Eiern zu inneren Verletzungen führt oder aber der auslaufende und vergammelnde Ei-Inhalt führt zu einer Infektion im Legedarm. Auch die Ausscheidung von Kot und Urin werden durch festsitzende Eier behindert oder sogar unmöglich gemacht, da ja bei Reptilien alle "Produkte" über den selben Weg (die Kloake) den Körper verlassen müssen. Können die Eier längere Zeit nicht abgelegt werden, beginnen sie abzusterben. Insbesondere weichschalige Eier sondern wegen des nun entstehenden Fäulnisprozesses Giftstoffe ab, die das Muttertier, bzw. seine Leber, stark belasten, was letztendlich nicht selten zu seinem Tod führt. Insgesamt führen festsitzende Eier im Körper oft zu eingeschränkten Organfunktionen, da die Eier durch die fortlaufende Wehentätigkeit sehr schmerzhaft auf Darm, Leber, Blase und Nieren drücken. Die ständigen Versuche des Weibchens, die Eier evtl. durch starkes Pressen doch noch loszuwerden, führen in der Regel zu einer starken Schwächung des Tieres. Auch das ist nicht selten eine Todesursache.

Ursachen der Legenot:

  • Erblich bedingte und/oder angeborene organische Probleme (z. B. durch Inzucht) sind seltener die Ursache für Legenot. Sehr viel öfter sind die organisch bedingten Probleme "hausgemacht" und beruhen auf Haltungs- und Fütterungsfehler:
    • Viel zu schnell gewachsene Jungtiere, die zu früh geschlechtsreif werden und deren Knochenbau und Organe deshalb den großen Anforderungen von Paarungsaktivitäten und Trächtigkeit nicht gewachsen sind, zumal solche Weibchen noch dazu oft überdurchschnittlich viele Eier ausbilden.
    • Viel zu früh verpaarte Elterntiere: Man darf unter Terrarienbedingungen die Tiere nicht sofort nach Erreichen der Geschlechtsreife verpaaren, weil ihr Organismus noch nicht wirklich ausgereift ist. "Gut Ding will Weile haben" gilt auch bei der Reptilienhaltung.

  • Viele Reptilienhalter wissen nicht, dass auch ein Weibchen, das ohne Männchen gehalten wird, Eier ausbilden kann, die die Dame dann natürlich auch artgerecht ablegen können muß.
     
  • Immer wieder rechnen die Halter auch nicht damit, dass das Weibchen schon geschlechtsreif sein könnte, weil sie in der Literatur oder im Internet oft andere (spätere) Altersangaben finden, als sie für ihr Tier tatsächlich zutreffen. Reptilien, die in menschlicher Obhut durch üppige Fütterung schneller wachsen als in freier Natur, werden auch früher geschlechtsreif! Der Eintritt der Geschlechtsreife ist bei Reptilien nicht altersabhängig, sondern fast ausschließlich gewichts- bzw. größenabhängig!
     
  • Kalziummangel: Kalzium ist nicht nur wichtig für den Knochenbau, sondern auch für die Nerven- und Muskelfunktionen (Wehentätigkeit!) und natürlich für die ausreichende Beschalung von Eiern. Weibchen mit Mangelzuständen können die Eier weder ausreichend mit einer schützenden Kalkschale versehen, noch in einem zumutbaren, kräfteschonenden Zeitfenster ablegen.
     
  • Magelernährte (zu magere), aber auch zu dicke Weibchen können ihre Eier meist nicht artgerecht ablegen.
     
  • Aufdringliche Männchen, die durch Paarungsversuche die Eiablage stören. Gestresste Weibchen brechen den Ablagevorgang oft entnervt ab, was unweigerlich zu Problemen führt. Männchen am besten schon vor der Eiablage aus dem Terrarium entfernen!
     
  • An allererster Stelle stehen jedoch ungeeignete oder fehlende Eiablagemöglichkeiten! Sorgt der Reptilienhalter nicht dafür, dass seine Weibchen schon ab Erreichen der Geschlechtsreife ausreichende und der Art angepasste Eiablageplätze zur Verfügung haben (möglichst mehrere Plätze zum Aussuchen!), finden die Mütter im Fall des Falles meist keinen passenden Platz, um die Eier zu deponieren. Hin und wieder werden die Eier (im glücklichsten Fall) verworfen, d. h. sie werden völlig unplanmäßig einfach verstreut auf dem Terrarienboden abgelegt. Das alleine deutet schon auf Störungen hin.
    Zu beachten sind insbesondere:
    • Die Art des Bodengrundes: Zusammensetzung, Konsistenz, Feuchtehaltevermögen, Wärmehaltevermögen und nicht zuletzt auch Grabfähigkeit des Bodens sind von ausschlaggebender Bedeutung.
    • Feuchtigkeitsbedingungen am/im Eiablageplatz: weder zu trockene noch zu feuchte Plätze bieten den Weibchen ideal erscheinende Bedingungen zum Ausbrüten der Eier. Also werden die Eier nicht abgelegt, sondern zurück gehalten.
    • Temperatur des Eiablageplatzes: die Weibchen suchen instinktiv nach einem Platz, der für die Eier die ideale Bruttemperatur aufweist. Zu kalte oder zu heiße Plätze werden nicht angenommen. Thermometerkontrolle!
    • Feuchtigkeitsbedingungen zum Zeitpunkt der Eiablage: Ob es während der Eiablage regnet oder vorher geregnet hat oder nachher regnen sollte, ist ausschließlich artabhängig.
    • Temperaturbedingungen zum Zeitpunkt der Eiablage: weder bei zu kühlen noch bei zu heißen Bedingungen kann das Gelege artgerecht abgesetzt werden. Der gesamte Eiablageprozess nimmt mehrere Stunden in Anspruch. Während der gesamten Zeit dürfen die Weibchen weder zu kalt haben, noch überhitzen (Sonneneinstrahlung von einem Fenster?).
       
  • Es liegt alleine in Ihrer Verantwortung: Erkundigen Sie sich genauestens über die Ansprüche der Art und schaffen Sie rechtzeitig passende Eiablageplätze!
     
  • Sollten Sie das Gefühl haben, dass Ihrem Weibchen die Eiablage Probleme bereitet, dann suchen Sie sehr frühzeitig einen auf Reptilien spezialisierten Tierarzt auf. Muten Sie Ihrem Weibchen nicht tagelang Schmerzen zu! Und: Entkräfteten Tieren kann der beste Tierarzt nicht mehr helfen!
     
  • Die nötigen Bedingungen für Chalarodon madagascariensis beschreibe ich unter "Zucht"
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Die Homepage wurde zuletzt aktualisiert am 29.12.2017    © E. K.