Kleiner Madagaskar-Leguan, Sandleguan (Chalarodon madagascariensis) Parasiten
Der kleine Madagaskar-Leguan
(Chalarodon madagascariensis)

Parasiten


Bei Ch. madagascariensis sind mir keine speziellen Parasiten bekannt. Sie werden aber, wie viele andere Arten auch, von den üblichen Darmparasiten geplagt.

Welche Parasiten können eine Echse belasten ?

Im Wesentlichen unterscheidet man zwischen zwei wichtigen Sorten von Darm-Parasiten:

1. Würmer:
hier die beiden häufigsten Arten:

a) Madenwürmer oder Oxyuren
Madenwürmer sind ca. 5-13 mm lange, 0,5mm dicke, weiße Fadenwürmer, auch bekannt als Pfriemenschwanz. Sie kommen bei nahezu allen pflanzenfressenden Reptilienarten am häufigsten vor. Sie vermehren sich im Darm der Tiere, indem sie massenweise Eier legen und diese werden über den Kot ausgeschieden, womit sie wiederum andere Terrariengenossen infizieren können. Zu erkennen sind sie mit bloßem Auge nicht, daher ist eine Kotuntersuchung zur Vorbeugung ca. alle 12 Monate (besonders mindestens 2 Monate vor der Winterruhe) anzuraten.

Oxyuren oder Madenwürmer
Dieses "Häuferl" gehörte einer Griechischen Landschildkröte mit gerade mal 40 g Körpergewicht.
Die vielen weissen Oxyuren sind gut zu erkennen.

Oxyuren oder Madenwürmer
Hier die Kotproben von 3 Landschildkröten mit nur 35 g - 40 g Körpergewicht.
Jede Menge Oxyuren in Wasser aufgeschwemmt.






b) Spulwürmer oder Ascariden
Dabei handelt es sich um spaghettiförmige Würmer, die je nach Geschlecht und Entwicklungsstadium von wenigen Zentimetern bis zu 10 cm Länge aufweisen können. Gerade die als Eingeweide-Wanderlarven bezeichneten Larvenstadien können zu einer dauerhaften Schädigung der Organe der Schildkröte führen.
Einmal aus Kot anderer Tiere, z. B. Mäusen, aufgenommene Spulwurmlarven verbleiben nicht im Darmkanal, sondern machen eine Körperwanderung durch. Dabei dringen die Larven durch die Darmwand hindurch und gelangen via Lymph- und Blutgefäße über die Leber zur Lunge. Von dort gelangen sie erneut über den Blutweg in den Körperkreislauf und damit in die Muskulatur des Wirtstieres. Es finden weitere Reifungsprozesse dieser Larven in der Lunge statt, wonach sie über die Luftröhre durch Auswürgen sowie anschließend über die Speiseröhre durch Abschlucken erneut in den Darm gelangen. Erst dann ist die insgesamt ca. 30 Tage dauernde Körperpassage abgeschlossen.

Spulwürmer oder Ascariden
Foto: www.tierarzt.de


Wenn der Tierarzt Wurmbefall feststellen sollte, kann er mit speziellen Medikamenten den Würmern schnell den Garaus machen. Die Behandlung (Kur mit meist zweimaliger Medikamenteneingabe) ist für die Tiere nicht besonders schlimm. Nicht behandelter Wurmbefall kann langfristig durch den starken Nährstoffentzug tödlich sein.

Noch eine Warnung an alle Unerfahrenen:
Das für Hunde, Katzen und Nutztiere unproblematische Präparat "Ivomec" mit dem Wirkstoff Ivermectin ist für viele Reptilienarten auf jeden Fall tödlich ( cave ) !
 

2. Flagellaten
(= einzellige Lebewesen. Dazu gehören die Wimpern-, Räder- und Geisseltierchen, z. B. Hexamiten)

Flagellaten sind mit blossem Auge nicht erkennbar. Meist halten sich diese Parasiten im Darm der Echse auf und schädigen sie dort, ähnlich wie die Würmer,  durch Nährstoffentzug. Gleichzeitig werden die Darmwände geschädigt, was erst recht eine Nährstoffunterversorgung der Echse zur Folge hat, da der Darm dann die Nährstoffe nicht mehr gut aufnehmen kann.
Wandern die Flagellaten über die Kloake in die Harnwege, dann können z. B. die Nieren ihre Entgiftungsarbeit nicht mehr gut genug erledigen und es kommt im fortgeschrittenen Stadium zu einer Vergiftung im Körper der Echse mit ihren eigenen Stoffwechselprodukten und zu Nierenversagen.

Daher sind alle  Parasiten in größerer Zahl auf jeden Fall schädlich und müssen behandelt werden. Nur ein auf Reptilien spezialisierter Tierarzt kann diese Parasiten richtig diagnostizieren und gezielt behandeln. Suchen Sie im Fall des Falles deshalb nur einen Fachtierarzt für Reptilien auf!

 


Wie können diese Parasiten auf Echsen übertragen werden ?

In dem Augenblick, wo die Echse Kontakt mit dem Freiland hatte (auch im Naturbiotop schon) kann sie jederzeit mit Darmparasiten befallen sein. Die Eier der Parasiten hängen oft an den Futterpflanzen oder sie werden mit Kot von anderen Echsen oder mit Kot von Nagetieren oder Vögeln aufgenommen. Sogar eine Übertragung mit Hilfe von Insekten, denen die Eier äusserlich anhaften können, ist möglich (Freiland-Insekten oder auch von Terrarium zu Terrarium laufende Futtertiere). Auch mit unserem Wiesenfutter können bei Pflanzenfressern Parasitenlarven oder -eier übertragen werden, auch wenn die Echse selbst nie in einer Wiese gesessen hat. Weiterhin vermutet man, dass die Eier oder Larven von manchen Parasiten bereits über das Echsenei übertragen werden. 
Ein weiterer Faktor ist gerade bei Wildfangtieren der komplette Biotop- und Klimawechsel. Fang, Transport, schlechte Fütterung bei den Händlern und der gesamte Umschwung der Lebensumstände stressen die Tiere und damit haben alle Parasiten ein leichtes Spiel.
Daher sind regelmässige Kotkontrollen beim Tierarzt, vor allem sofort nach Erwerb solcher Tiere, unbedingt notwendig. Der Hauptgrund der Kurzlebigkeit vieler Wildfangtiere ist neben nicht artgerechter Haltung ihre enorme Parasitenbelastung.

Wie kann man Darm-Parasitenbefall besser verhindern ?

Ganz ist das leider nie möglich. Es hat sich herausgestellt, dass ein möglichst grosser Ballaststoffanteil im Futter (gröbere Pflanzenteile, größere Insekten) den Darm besser "durchputzt", als weiches, ballaststoffarmes, feines Futter. Da die Echsen im Naturbiotop viel mehr Ballaststoffe aufnehmen (hartblättrige Pflanzenteile und verschiedenste Insekten), als bei uns, und ihr Immunsystem durch eine optimale Umgebung gestärkt wird, kommen sie in ihren natürlichen Lebensräumen auch mit Darmparasiten viel besser zurecht. Die groben Fasern im Naturfutter und das kräftige Immunsystem halten die Parasitenzahl i. d. Regel auf einem Minimum, welches die Echse verkraften kann.
Bei uns macht eine Haltung unter möglichst optimalen Bedingungen die Tiere deutlich widerstandsfähiger gegenüber Parasiten.

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Die Homepage wurde zuletzt aktualisiert am 29.12.2017    © E. K.