Kleiner Madagaskar-Leguan, Madagaskar-Sandleguan (Chalarodon madagascariensis) Steckbrief
Der kleine Madagaskar-Leguan
(Chalarodon madagascariensis)

Steckbrief
Chalarodon madagascariensis
Chalarodon madagascariensis Männchen
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Artgerechte Haltung bedeutet: Bedingungen schaffen, unter denen Terrarientiere langfristig gesund bleiben und sich fortpflanzen können.


Namen:
Chalarodon madagascariensis, Kleiner Madagaskar-Leguan, madagassischer Sandleguan, Madagaskar-Sandleguan, madagassischer Buntleguan, Madagascar Iguana, Malagasy Iguana, Three-eyed Lizard, Three-eyed Guanna-Lizard, Madagascar Rainbow Swift.

Verbreitung:
Chalarodon ist eine tagaktive, monotypische Gattung, die endemisch in Süd-West-Madagaskar (hauptsächlich in der Provinz Tulear, zudem im Südwesten der Provinzen Fianarantsoa und Majunga) beheimatet ist.



Lebensraum:
Rein bodenlebend in semi-ariden bis ariden Regionen: meist auf freiflächigen Sanddünen, sehr selten in Dornbuschregionen: sehr heisse, trockene, offene, d. h. in der Regel nur sehr spärlich bewachsene oder völlig unbewachsene Gebiete mit sandigen Böden.

Größe:
Kopf-Rumpf-Länge: bis 87 mm für Männchen, bis 67 mm für Weibchen
Gesamtlänge mit Schwanz: um 200 mm / bis maximal 23 cm bei Männchen, bis 17 cm bei Weibchen.

Vorzugs- bzw. Stoffwechseltemperatur:
Da die Chalarodon sich in ihren unterirdischen Gängen ihre Schlaf- und Versteckhöhle bei ca. 38,5°C anlegen (tagsüber im aufgewärmten Terrarium gemessen) gehe ich davon aus, dass auch ihre Vorzugstemperatur etwa bei 38,5°C liegen dürfte, wenn nicht sogar höher.

Lebenserwartung:
5 - 6 Jahre (eigene Beobachtung: mein ältestes Männchen wurde etwas über 6 Jahre alt)

Temperaturbereiche:
Sommer: Boden- und Lufttemperatur tagsüber 30 - 40°C, lokale Bodenerwärmung auf über 60°C! Nachtabsenkung auf 25 - 30°C. Tageweise auch mal kühler halten!
Winter: Boden- und Lufttemperatur tagsüber um 20°C, tageweise auch mal bis 25°C, lokale Bodenerwärmung auf über 50°C! Nächtliche Absenkung auf 15 - 18°C. Tageweise auch mal kühler halten!
Grundsätzlich immer auch eine etwas kühlere Terrarienzone abseits der Strahler einrichten, damit sich die Tiere bei Bedarf zurückziehen können.

Luftfeuchtigkeit:
Sommer: 60% (tagsüber) - 95% (nachts), tageweise auch mal trockener!
Winter: 50 - 70%
Chalarodon madagascariensis
Chalarodon madagascariensis, trächtiges
Weibchen (Bild anklicken zum Vergrößern)


Terrariengröße:
Es empfiehlt sich dringend ein Terrarium von mindestens 130 x 50 x 50 cm (L x B x H).
Die Madagaskar-Leguane sind sehr beweglich und sehr schnell! Deshalb benötigen sie trotz ihrer geringen Größe ein sehr geräumiges Terrarium!

Beleuchtung:
Diese Tiere haben in ihrer Heimat Sommer wie Winter (gemessene) Lichtmengen zwischen 90.000 und 130.000 Lux zur Verfügung! Für diese Art kommen deshalb nur qualitativ hochwertige Lichtquellen infrage: hqi-Strahler mit mindestens 70 W, am besten jedoch 150 W! Die Art benötigt eine sehr hohe Lichtintensität, die man mit Leuchtstoffröhren, Mischlichtstrahlern (z. B. Zoo Med PowerSun oder ähnlichen), HQL-Lampen oder anderen im Terraristikhandel häufig angebotenen Leuchtmitteln keinesfalls erreichen kann (egal, was Ihnen der Zoohändler verspricht)! Ein Strahler aus dem Zoofachhandel, der derzeit am ehesten für diese Leguane geeignet ist, ist die Lucky Reptile Bright Sun UV DESERT, 70 W. Für besser geeignet halte ich in jedem Fall einen hqi-Strahler mit 150 W oder alternativ dazu die Lucky Reptile Bright Sun ULTRA Desert, 150 W!
Bei Bedarf evtl. zusätzlich Spotstrahler (Osram Concentra, 75 - 100 W, oder ähnliche Reflektorstrahler) für die Schaffung lokaler Wärmeplätze einsetzen (Thermometerkontrolle!).

UV-Versorgung:
Um Rachitis (Knochenerweichung) und Eiablageprobleme zu vermeiden, muss man zur ausreichenden UV-Versorgung mittags für wenigstens 30 Minuten im Abstand von 80 cm die Osram Ultra Vitalux dazu schalten. Mit UV-Leuchtstoffröhren oder anderen im Terraristikhandel häufig angebotenen "UV-Leuchten" kann man bei dieser Art keine ausreichende UV-Versorgung erreichen!

Bodengrund:
Leicht lehmhaltiger Sand (Wüstensand), der (leicht angefeuchtet) beim Graben nicht zusammenfällt. Mindestens 10 - 15 cm hoch, stellenweise (unter dem hqi-Strahler) bis 30 cm hoch einfüllen, weil die Tiere viel graben und unterirdische Gänge anlegen! Der Bodengrund sollte an der Oberfläche trocken, in tieferen Schichten aber immer ganz leicht feucht sein! Der einzige für diese Leguanart brauchbare Sand aus dem Zoofachhandel ist m. E. der Zoo Med Repti Sand. Bei mir hat sich am besten leicht lehmhaltiges, sandiges Natursubstrat aus einem Spargelanbaugebiet bewährt.

Einrichtung:
Korkrinde und/oder Wurzeln als Unterschlupf- und Klettermöglichkeit. Keine Steine, die die Tiere beim Graben einklemmen oder erschlagen könnten! Flache Wasserschale anbieten.
In einem Glasterrarium sollten die Seitenwände innen zur Polsterung bis 20 cm hoch mit 3 - 5 mm dicker Korktapete beklebt werden, damit sich die extrem schnellen Tiere bei einer evtl. Kollision mit der Wand nicht die Schnauze aufschlagen oder gar den Kiefer brechen!

Futter:
Alle Arten von kleinen Insekten (z. B. Grillen, Heimchen, Heuschrecken, kleine Schaben, Wachsmotten, Falter, Fliegen, kleine Käfer, etc., keine Mehlwürmer oder Zophobas füttern!). Zusätzlich auch etwas pflanzliche Kost (Blüten, kleingeraspeltes Gemüse, kein Obst!, siehe auch unter "Ernährung"). 2 - 3 x pro Woche Mineralien- und Vitaminzugaben: wegen der enthaltenen Aminosäuren am besten Korvimin ZVT (Tierarzt) oder Nekton Rep (Zoohandel).

Literatur: siehe hier

Schutzstatus:
Der Kleine Madagaskar-Leguan kommt in Madagaskar noch recht häufig vor und steht deshalb derzeit nicht unter Natur- oder Artenschutz.

Bemerkungen:
Die Männchen sind revierbildend und bekämpfen unterlegene Männchen stark! 1 Männchen kann aber mit 1 - 3 Weibchen gepflegt werden, wenn die Behältergröße entsprechend großzügig ausgelegt ist.

Fortpflanzung:
Paarungszeit auf der Nordhalbkugel ab Mitte Mai bis in den August hinein. Ovipar: die Weibchen legen während der Sommerphase bis zu 6 Gelege mit nur je 2 Eiern ab. Schlupfzeit: temperaturabhängig 64 - 73 Tage.

Geschlechtsunterschied:
Das einzige sichtbare Merkmal zur sicheren Unterscheidung der Geschlechter ist die beim Männchen vorhandene und beim Weibchen fehlende große Doppelschuppe unterhalb der Kloake:
Chalarodon madagascariensis, Männchen
Chalarodon madagascariensis,   Männchen / male
(Bild anklicken zum Vergrößern)
Chararodon madagascariensis, female
Chalarodon madagascariensis, Weibchen / female
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Verwechslungsart:
Wenn man die Art nicht kennt oder in Reptilienhaltung nicht sehr erfahren ist, kann man die Art evtl.mit Jungtieren vom (größeren) Vierfleck-Madagaskarleguan (Oplurus quadrimaculatus) verwechseln:

  Oplurus quadrimaculatus
Oplurus quadrimaculatus (Bildnachweis)

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Die Homepage wurde zuletzt aktualisiert am 29.12.2017    © E. K.