Kleiner Madagaskar-Leguan, Madagaskar-Sandleguan (Chalarodon madagascariensis) Reptilien-Stoffwechsel
Der kleine Madagaskar-Leguan
(Chalarodon madagascariensis)

Der Stoffwechsel von Echsen


Was bedeutet der Begriff "Stoffwechsel" und "Stoffwechseltemperatur" für eine Echse ?

Ich versuche hier möglichst einfach (auch für den Laien verständlich) diesen oft unklaren Begriff zu veranschaulichen. Diese Beschreibung erhebt keinen wissenschaftlichen Anspruch  ;-)

Jeder Organismus kann nur leben, in dem er Energie (Nahrung) aufnimmt, für sich verwertet und die Abfallstoffe wieder ausscheidet. Diesen gesamten Vorgang nennt man Stoffwechsel. Für die Nahrungs- und Nährstoffaufnahme sind Zähne, Maul, Magen und Darmtrakt verantwortlich. Dazu behilflich sind die Drüsen in Maul und Magen, die Leber (Gallenproduktion) und die Bauchspeicheldrüse, die bestimmte Verdauungssäfte (Säuren, Enzyme und Fermente) dem Nahrungsbrei zufügen, damit er möglichst gut "zerlegt" werden kann. Der Darm vervollständigt mit seinen Verdauungssäften die "Zerkleinerung" des Nahrungsbreies und holt sich dann die "brauchbaren" Stoffe heraus. Über den Blutweg werden die im Nahrungsbrei enthaltenen Nährstoffe (Eiweisse, Fette, Kohlenhydrate), Regelstoffe (Vitamine) und Mineralstoffe dem Körper zugeführt.

Bei wechselwarmen Tieren wie den Echsen ist dazu die Wärmezufuhr von aussen notwendig, da der Körper nicht selbst Wärmeenergie produzieren kann, im Gegensatz zum Menschen oder den Säugetieren. Deshalb sind alle Reptilien darauf angewiesen, sich ihre Wärme durch eine externe Wärmequelle zu holen: Sonne oder entsprechend gut temperierter Wärmestrahler.

Erst durch die Wirkung der Wärme kann der Organismus entsprechende Verdauungssäfte in ausreichender Menge produzieren und vor allem die Organe, die die Abfallstoffe "entsorgen" (Leber, Nieren), können dann erst wirkungsvoll arbeiten. Auch die Herzfunktion und die Hormonproduktion sind von dieser Wärmezufuhr abhängig.

Kann sich also ein wechselwarmes Tier nicht für seine individuellen Bedürfnisse genügend aufwärmen, kann der gesamte Organismus nicht auf "vollen Touren" arbeiten. Das Tier "funktioniert" nur mit halber Kraft und langfristig stirbt es. Je geringer der Unterschied zwischen der notwendigen "Soll-Temperatur" ( = Stoffwechseltemperatur) und der vorhandenen, niedrigeren "Ist-Temperatur" ist, desto länger dauert dieses Sterben, aber es ist garantiert, da der Körper ständig unterversorgt ist!

Die exakte ideale Stoffwechseltemperatur bei Chalarodon madagascariens ist noch nicht wissenschaftlich erforscht, liegt aber auf Grund seines enorm heissen Herkunftsgebietes auf jeden Fall im Bereich von 35°C bis 40°C. Da die Tiere sich in ihren unterirdischen Gängen ihre Schlaf- und Versteckhöhle bei ca. 38,5°C anlegen (tagsüber im aufgewärmten Terrarium gemessen) gehe ich davon aus, dass auch ihre Vorzugstemperatur etwa bei 38,5°C liegen dürfte. Daher muss die Temperatur unter dem Wärmestrahler in jedem Fall um mindestens 5°C darüber liegen; besser um 10°C, um ein schnelleres Aufwärmen zu ermöglichen. Demnach beträgt die Temperatur unter dem Wärmestrahler am besten mindestens 45°C - 50°C !!! Meine Tiere sitzen auch noch bei 66°C Bodentemperatur genüsslich unter dem 150W-HQI-Strahler, auch wenn sie dann zur Kühlung das Maul öffnen und, um Hautverbrennungen zu vermeiden, die Füsschen anheben.

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Die Homepage wurde zuletzt aktualisiert am 29.12.2017    © E. K.