Kleiner Madagaskar-Leguan, Sandleguan (Chalarodon madagascariensis) Winterruhe
Der kleine Madagaskar-Leguan
(Chalarodon madagascariensis)

Sommerruhe (Ästivation) und Winterruhe (Hibernation)


Um es gleich vorweg zu nehmen: Was die Winterruhe dieser Leguane angeht, dazu gibt es in der spärlichen Literatur keine exakten Angaben. Erst recht unterscheiden sich die Informationen im Internet zum Thema Winterruhe so stark, dass man meinen könnte, es mit völlig verschiedenen Echsen zu tun zu haben. :-)))

Fakt ist: die Tiere halten in ihrer Heimat weder eine ausgeprägte Sommerruhe noch eine "echte" Winterruhe, wie wir sie von anderen Reptilienarten (z. B. Landschildkröten) her kennen. Von den Temperaturen her ist sowohl im madagassischen Sommer als auch im "Winter" eine Aktivität sehr gut möglich, da zu keiner Zeit die Temperaturen dauerhaft so stark abfallen oder ansteigen, dass die Echsen eine ausgeprägte Ruhezeit einlegen müssten. Immerhin sind diese Tiere seit Jahrtausenden exakt auf die extremen madagassischen Klimabedingungen spezialisiert. (siehe dazu auch "Eigenarten" und "Stoffwechsel")

Der einzige Faktor, der meiner Erfahrung nach die Aktivitätszeit dieser Echsen wirklich bestimmt, ist die Feuchtigkeit (Regenfälle und Taubildung!). So lange sie ihren Wasserhaushalt durch Trinken und Feuchtigkeitsaufnahme über die Haut gut regulieren können und Futterinsekten zu finden sind, sind diese Echsen aktiv. Das bedeutet, dass sie sowohl im Sommer als auch im Winter allenfalls tageweise oder kurzfristig eine Ruheperiode einlegen, die sofort beendet wird, wenn sich die Bedingungen wieder verbessert haben. Andererseits können die Chalarodon bei unwirtlichen, zu trockenen Bedingungen auch mehrere Monate oder sogar Jahre! in ihren unterirdischen Verstecken in einer Art Ruhezustand verbringen, ohne dadurch ernsthaft Schaden zu nehmen. Man bedenke, dass es im Südwesten Madagaskars u. U. auch einmal 2 Jahre oder auch länger gar nicht regnet! So fand ich ein aus dem Terrarium entfleuchtes Männchen erst nach sage und schreibe 1 1/2 (in Worten: ein-einhalb) Jahren! wieder, da es sich dummerweise im Schlafzimmer wohl unter/hinter einem Schrank versteckt hatte. Zu meinem großen Erstaunen lebte das Tier, auch wenn es in dieser langen Zeit natürlich etwas magerer geworden war. Eines Tages im Hochsommer, als ein Gewitter auch die Luftfeuchtigkeit im Zimmer schnell und stark ansteigen liess, saß die Echse plötzlich vor dem Schrank. Ich flößte dem Leguan auf Anraten meines Tierarztes einmalig ein wenig ganz leicht gesalzene Traubenzuckerlösung ein, um einen eventuellen Elektrolytmangel und Unterzucker auszugleichen. Schon nach wenigen Tagen war das Tier wieder quietschmunter wie eh und jeh! Keine andere Echsenart, die ich kenne, hätte diese Zeit auf dem Fussboden einer Neubauwohnung ohne Futter und Wasser so lange überlebt. Diese Erfahrung zeigt sehr gut, wie flexibel diese Tiere auf ihre Umweltbedingungen reagieren können und wie stark ihre (Über)Lebensstrategien an ihren natürlichen, äusserst kargen Lebensraum angepasst sind.

Unabhängig von diesem Extrembeispiel beobachte ich bei meinen Chalarodon, dass sie im Hochsommer (Mitte Juni bis Mitte August) die allerheisseste Zeit über Mittag in ihren unterirdischen Verstecken verbringen und eher Vormittags und Nachmittags aktiv sind. Die Leguane laufen jedoch gerade bei Bodentemperaturen von 50 - über 60°C zur Höchstform auf! Andererseits sind die Tiere im gesamten Winterhalbjahr (Mitte November bis Mitte April), je nach Feuchtigkeitsangebot (das ich absichtlich, den natürlichen Bedingungen entsprechend, zeitweise sehr niedrig halte), vorwiegend über die Mittagsstunden oder zeitweise auch gar nicht aktiv. In der restlichen Zeit sind die Tiere vom frühen Vormittag bis zum späten Nachmittag ständig zu sehen. Generell kann ich sagen, dass diese Leguane für ausgiebige Aktivitäten, neben einer ausgesprochen großen Lichtfülle und hoher (Luft)Feuchtigkeit, einen Lufttemperaturbereich von über 20°C bis ca. 35°C und (im Terrarium lokal begrenzte) Bodentemperaturen von 50 - über 60°C bevorzugen und benötigen.

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Die Homepage wurde zuletzt aktualisiert am 29.12.2017    © E. K.