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Verdauung und Verdauungsorgane - Griechische Landschildkröte, Testudo hermanni

Griechische Landschildkröten
(gilt auch für Maurische Landschildkröte und Breitrandschildkröte)

Verdauung und Verdauungsorgane

 

 

Leider wird sehr häufig das, was die Europäischen Landschildkröten bei uns gerne fressen, mit dem was sie in ihren natürlichen Habitaten finden, gleichgesetzt oder verwechselt. Sehr oft wissen die Landschildkrötenbesitzer sehr wenig oder gar nichts über die anatomischen Voraussetzungen und die organische Anpassung ihres Organismus an die in der Natur verfügbaren Futterquellen. Deshalb stehen Schlussfolgerungen der Besitzer aus dem Fressverhalten der bei uns gehaltenen Tiere im Vordergrund, die sich bei uns jedoch automatisch an die Futter-Gegebenheiten anpassen, ungeachtet dessen, welches Futterangebot sie in den Naturbiotopen haben und ob ihnen das bei uns angebotene Futter bekommt oder nicht. Fütterungsfehler und ernährungsbedingte Erkrankungen sind deshalb leider gar nicht so selten die Folge.
Selbst wenn unsere Europäischen Landschildkröten im Naturhabitat sehr selten einmal andere Nahrung, als die übliche Pflanzennahrung finden und dann auch nutzen (Regenwürmer, Schnecken, Aas, etc.), kann man davon ausgehen, dass dies eher die große Ausnahme ist und letztendlich nur einen winzigen Ausgleich für ihre sonst sehr karge Lebensweise darstellt. Die Griechische Landschildkröte ist, wie alle Europäischen Landschildkröten, ein reiner Vegetarier. Das ergibt sich schon alleine aus dem Aufbau der Körperbereiche, die für Nahrungsaufnahme und Verdauung zuständig sind.

Im Grunde beginnen die ersten Verdauungsprozesse schon im (und mit dem) Maul der Schildkröten.
Im Gegensatz zu den anderen Reptilien haben die Schildkröten keine Zähne. Der Ersatz der Zähne sind verhornte, schnabelähnliche Hornscheiden. Mit den leicht gezähnelten Horn- oder Kieferscheiden wird das faserreiche Pflanzenfutter (auch Gräser) mit Unterstützung der äusserst kräftigen Kiefer- und Kaumuskulatur sehr gut abgebissen und zerquetscht.

gezähnelte Hornscheiden
korrekt geformter Schnabel mit Zähnelung der Ränder


Im Maul wird die aufgenommene Nahrung mit der dicken, fleischigen und beweglichen Zunge auf ihre Schmackhaftigkeit geprüft, oft noch weiter zerdrückt, mit Speichel gleitfähig gemacht und dann Richtung Schlund befördert.
Die Verbindung von Schlund und Magen stellt die Speiseröhre dar. Sie ist mit vielen Schleimhautfalten ausgestattet. Durch die stark dehnbare Speiseröhre passen relativ große Futterstücke.
Der (bei pflanzenfressenden Schildkröten) relativ kleine und wenig dehnbare Schildkrötenmagen ist sackartig geformt, mit muskulösen Wänden versehen und wieder mit vielen längsgerichteten Schleimhautfalten ausgestattet. Dort wird die Nahrung zum einen gespeichert, zum anderen mit Pepsin angereichert, mit Salzsäure desinfiziert (PH-Wert bei aktiven, aufgewärmten und fressenden Tieren 1 - 1,5), durchmischt, mechanisch etwas zerkleinert und ein wenig vorverdaut. Die Magensaftproduktion hängt, wie die Produktion der anderen Verduungssäfte, von der Umgebungstemperatur ab. Durch die geringe Dehnungsfähigkeit der Magenwände müssen die Tiere mehrmals am Tag kleine Futtermengen aufnehmen.
Im anschließenden Mittel- und Dünndarm wird die Nahrung durch die Anreicherung verschiedenster Verdauungssäfte (z. B. Gallensäuren, Bauchspeicheldrüsenfermente, Enzyme) chemisch-enzymatisch verdaut und die ersten, leicht verdaulichen Stoffe resorbiert (aufgenommen).
Der Nahrungsbrei wird anschließend in den Dickdarm weiterbefördert, der mit extrem vielen Schleimhautfalten ausgestattet ist. Diese Schleimhautfalten und der größere Darmdurchmesser verringern den Nahrungsdurchfluß und geben den Verdauungssäften mehr Zeit, den Futterbrei zu zersetzen. Im Dickdarm findet, ähnlich wie bei Kühen, in erster Linie eine mikrobielle Fermentation statt. Die Gesamtlänge eines Landschildkrötendarms beträgt im Durchschnitt etwa 288,4% der Gesamtkörperlänge, ist also 2,88 mal so lang, wie die Schildkröte selbst! Den weitaus größeren Längenanteil davon hat bei den Pflanzenfressern der Dickdarm.
Am Übergang vom Dünndarm zum Dickdarm liegt bei den pflanzenfressenden Schildkröten als sackartige Aufweitung des Darms der Blinddarm, der durch seine Dehnungsfähigkeit große Mengen aufnehmen kann und eine sehr bedeutende Funktion hat. Durch die immense Erweiterung des Darmduchmessers wird im Blinddarm der Durchfluß des Nahrungsbreis stark verlangsamt. Zusätzlich wird das durch den nachfolgenden Grimmdarm bewirkt, der sich etwas in den Blinddarm hineinstülpt. Dadurch werden gröbere Nahrungsbestandteile (aber leider auch Fremdkörper oder Sand) eher zurück gehalten und breiige und flüssige Nahrungsbestandteile können abfließen. Ähnlich wie im Pansen der Wiederkäuer entsteht im Blinddarm eine dreidimensionale, gitterwerkartige Schichtung der festen Nahrungsbestandteile, die der äußerst leistungsfähigen mikrobiellen Flora eine sehr große Oberfläche zur Zerlegung des Pflanzenmaterials bieten. Durch diese Fermentation entstehen kurzkettige Fettsäuren, die über die Blinddarmwand in den Organismus aufgenommen werden und so der Energiegewinnung dienen.
Auch im nachfolgenden, ausgeprägt angelegten Grimmdarm, der bei den Pflanzenfressern in verschiedene Abschnitte unterteilt werden kann, bestehen weiträumige Gärkammern für die mikrobielle Fermentation.
Den letzten Teil des Dickdarms macht der Mastdarm aus. In dem sehr dehnungsfähigen "Endrohr" des Darms können die Überreste des Nahrungsbreis kurzfristig gespeichert werden und es wird überschüssiges Wasser entzogen. Der so entstandene feste Kot verlässt mit den gut sichtbaren faserigen Bestandteilen über die Kloake den Körper.
 
 
Die Homepage wurde zuletzt aktualisiert am 17.11.2017    © E. K.