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Fotodokumentation - Griechische Landschildkröte, Artenschutzbestimmungen, Citesbescheinigung, EU-Verordnung

Griechische Landschildkröten
(gilt auch für Maurische Landschildkröte und Breitrandschildkröte)

Der "Personalausweis": die Fotodokumentation

 

Seit dem 01.01.00 gilt für alle artengeschützte Tiere, die dem EU-Artenschutzstatus Anhang A zugeordnet sind, eine Kennzeichnungspflicht. Dies ist oft auch auf der EU-Bescheinigung (ganz unten unter "Sonderbedingungen") vermerkt. Der Laie kann sich darunter erst einmal überhaupt nichts vorstellen.

Dies dient dazu, um die Tiere einwandfrei identifizieren zu können. Dies kann bei Tieren unter 500 g Körpergewicht in Form einer sogenannten Fotodokumentation geschehen. Bei Tieren ab 500 g ist die Kennzeichnung mit einem unter Narkose eingesetzten Transponder (einem kleinen elektronischen Chip, der alle notwendigen Daten speichert und in den Armmuskel eingesetzt wird) vorgeschrieben. Gegen diese Form der Kennzeichnung haben sich jedoch eine Menge Tierärzte ausgesprochen, da alleine eine Narkose nicht immer unproblematisch ist und ausserdem der Chip u. U. dazu neigt zu wandern. Ausserdem könnten dadurch evtl. sogar Entzündungen im Muskel entstehen. Deshalb hat der Gesetzgeber die Vorschrift über diese Art der Kennzeichnung für Schildkröten bis auf Weiteres ausgesetzt. Stattdessen müssen aber alle diese Tiere in Form einer Fotodokumentation gekennzeichnet werden.

Die Kennzeichnung ist für folgende Landschildkrötenarten vorgeschrieben:

  • Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni, alle Unterarten)

  • Maurische Landschildkröte (Testudo graeca, alle Unterarten)

  • Breitrandschildkröte (Testudo marginata)

  • Ägyptische Landschildkröte (Testudo kleinmanni, Testudo werneri)

  • Strahlenschildkröte (Asterochelys -Geochelone- radiata)

  • Flachrückenschildkröte (Pyxis planicauda)

  • Spinnenschildkröte (Pyxis arachnoides, alle Unterarten)

  • Namibia-Flachrückenschildkröte (Homopus bergeri)

Die Kennzeichnung ist für folgende Sumpfschildkrötenarten vorgeschrieben:

  • Mühlenberg-Wasserschildkröte (Clemmys muhlenbergii)

  • Indische Dachschildkröte (Kachuga tecta)

  • Dreikiel-Erdschildkröte (Melanochelys tricarinata)

  • Hinterindische Pfauenaugen-Sumpfschildkröte (Morenia ocellata)

  • Coahuila-Wasser-Dosenschildkröte (Terrapene coahuila)

Was ist eine Fotodokumentation ?

Frau Dr. Carolin Bender hat im Auftrag der DGHT ( Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde/AG Schildkröten) umfangreiche Untersuchungen über das Aussehen der Schildkröten angestellt. Dabei hat sie folgendes festgestellt: Jede Schildkröte hat nicht nur eine individuelle Zeichnung, sondern auch ihre Schilder sind individuell geformt und die Nähte zwischen den Schildern sind bei jeder Schildkröte anders, wie bei einem Fingerabdruck. Auch wenn sich die Zeichnung einer Schildkröte im Laufe ihres Lebens verändert, die Form der Schilder und die Nähte zwischen den Schildern, vor allem die Kreuzungspunkte der Nähte am Bauchpanzer, bleiben immer gleich geformt. Deshalb ist es möglich, jedes einzelne Tier auf Grund dieser individuellen Merkmale eindeutig zu identifizieren.
Diese Merkmale sind nun mit einem Foto festzuhalten, damit bei einer Kontrolle oder bei Verkauf eines Tieres einwandfrei festgestellt werden kann, dass es sich auch um das bei der Behörde angemeldete Tier handelt. Zur Zeit ist auch vorgeschrieben, dass man diese Fotos immer wieder erneuern muss: Bei Jungtieren bis 5 Jahre alle 2 Jahre, bei älteren Tieren alle 5 Jahre. So hat man im Laufe der Zeit eine lückenlose Dokumentation mit mehreren Fotos und kann damit seiner zuständigen Behörde einen sicheren Nachweis über die Identität siner Tiere präsentieren. Diese Fotodokumentation muss zusammen mit der EU-Bescheinigung oder Cites-Bescheinigung der zuständigen Behörde (Untere Naturschutzbehörde) im Rahmen der Meldepflicht ohne Aufforderung zur Verfügung gestellt werden. Wenn Sie über diesen Punkt unsicher sind, setzen Sie sich am besten mit Ihrer zuständigen Artenschutzbehörde in Verbindung und fragen Sie dort konkret nach. Man wird Ihnen dort bestimmt jederzeit gerne ausführlich alle Fragen beantworten.

Wie werden die Tiere am besten fotografiert ?

Für jede Schildkröte müssen 2 Fotos gemacht werden. Auf einem Foto muss der Rückenpanzer senkrecht von oben zu sehen sein. Auf dem zweiten Bild muss der Bauchpanzer gut zu sehen sein. Die Schildkröte muss bildfüllend, gut ausgeleuchtet, ohne Schatten oder Lichtreflexe und scharf abgelichtet sein! Sollte dies mit Ihrer Kamera nicht möglich sein, dann müssen Sie leider einen Fotografen beauftragen.

Obenansicht Untenansicht
Testudo hermanni boettgeri

Check-Liste zum Fotografieren (Was benötigt man dazu ?):

  • geeigneter Fotoapparat
  • gute Beleuchtung
  • trockene, saubere Tiere
  • geeigneter Hintergrund (z. B. Karopapier, Kantenlänge der Karos = 1 cm)
  • Lineal oder Zollstock
  • Papier für Notizen und Tiernummern (geeignete Stifte zum Markieren der Schildkröten
  • Gummiring, Blumenschale oder Schraubdeckel
  • evtl. Hilfsperson, vor allem bei größeren Tieren

Noch ein kleiner Tipp: Bleibt ein Tier am Rücken nicht ruhig liegen, dann legen Sie einen Gummiring oder einen Schraubdeckel unter den Rückenpanzer. Morgens oder bei kühlem Wetter im Freiland, wenn die Tiere (noch) nicht aufgewärmt sind, liegen sie wesentlich ruhiger und zappeln nicht herum. Noch ein Tipp für Besitzer mit vielen Tieren: Legen Sie während der Aufnahmen zu den Tieren z. b. auf den Hals oder bei kleinen Tieren neben das Tier einen Zettel mit einer gut sichtbaren Nummer, die bei beiden Aufnahmen (Rücken- und Bauchpanzer) verwendet wird. So können Sie später die beiden Bilder jeder Schildkröte exakt zuordnen.

Damit man die Grösse der Schildkröte gut abschätzen kann, sollte ein möglichst gut sichtbar kariertes Papier als Unterlage verwendet werden.
Für grössere Tiere kann man auch zwei oder drei DIN-A4-Seiten mit Karopapier unterlegen.
Das Karo muss 1 x 1 cm haben.

Karopapier für die Fotodokumentation; anklicken zum Vergrössern
Offizielles Fotodokumentations-Karopapier
Anklicken zum Vergrößern und Ausdrucken

An welchen individuellen Merkmalen kann man Landschildkröten erkennen ?

    Dies gilt für:
  • Griechische Landschildkröte
  • Maurische Landschildkröte
  • Breitrandschildkröte
  • Ägyptische Landschildkröte
  • Spaltenschildkröte

Bei diesen Landschildkrötenarten werden 11 verschiedene Merkmale für die Identifizierung verwendet:

Auf dem Rückenpanzer (Carapax) sind es 3 Merkmale am Nackenschild (Nuchale) und 3 Merkmale am 5. Wirbelschild (Vertebrale). Beim Nackenschild unterscheidet man die Formen der seitlichen Nähte zu den angrenzenden Randschildern (Marginalia) und der Naht zum ersten Wirbelschild (Vertebrale). Beim 5. Wirbelschild sind es die Formen der seitlichen Nähte zu den beiden angrenzenden Rippenschildern (Costalia) und der Naht zum 4. Wirbelschild. Siehe rechtes Bild: die entscheidenden Nähte sind rot gekennzeichnet (anklicken zum Vergrössern): anklicken zum Vergrössern

    Bezeichnung der 6 Merkmale am Rückenpanzer:
    linke Naht des Nackenschildes (zum linken Randschild) = N-li
    hintere Naht des Nackenschildes (zum ersten Wirbelschild) = N-hi
    rechte Naht des Nackenschildes (zum rechten Randschild) = N-re
    linke Naht des 5. Wirbelschildes (zum linken Rippenschild) = W-li
    vordere Naht des 5. Wirbelschildes (zum vierten Wirbelschild) = W-vo
    rechte Naht des 5. Wirbelschildes (zum rechten Rippenschild) = W-re

Die Variationsmöglichkeiten der einzelnen Nähte werden mit Zahlen versehen, damit sie in ein Merkmalsprotokoll eingetragen werden können.

    Siehe Bilder:

    Nackenschild, verschiedene Formen der seitlichen Nähte:

    = 1 (Naht vertikal völlig gerade)
    = 2 (Naht schräg und gerade)
    = 3 (Naht zuerst gerade, danach schräg ansteigend, im oberen Drittel Kurve und weiterer Verlauf nach außen; Schild ist oben schmaler als unten
    = 4 (Naht kurz schräg ansteigend, dann im weiteren Verlauf gerade und deutlich steiler als unten)
    = 5 (Naht mit Kurve nach ausen, danach etwa in dr Mitte Innenkurve und Anste+ieg nach oben, Schild kann insgesamt schmaler sein)
    = 6 (Naht verläuft als leichte Kurva nach oben, Schild ist unten am breitesten)
    = 7 (Naht verläuft als ausgeprägter Bogen nach aussen un oben, breiteste Stelle des Schilds liegt am Bogen, unterer Nahtbeginn kann insgesamt länger und schmaler sein)
    = 8 (Nuchale ist seitlich und an der Spitze von den Marginalia umschlossen)
    = 9 (Naht kurz schräg ansteigend, dann Kurve nach aussen und danach deutlicher Bogen nach innen, Bogen im oberen Bereich kann so breit oder breiter sein als unterer Bereich)

     

    Nackenschild (hintere Naht) und Wirbelschild, verschiedene Formen der Nähte:

    = 0 (gerade Naht)
    = 1 (Bogen nach oben)
    = 2 (Bogen nach unten)
    = 3 (Spitze oben)
    = 4 (Spitze unten)
    = 5 (gerade Seiten, kleiner mittiger Bogen nach oben)
    = 6 (gerade Seiten, kleiner mittiger Bogen nach unten)
    = 7 (gerade Seiten, kleine mittige Spitze nach oben)
    = 8 (gerade Seiten, kleine mittige Spitze nach unten)
    = 9 (Zickzack, deutliche Spitzen, Schenkel gerade)
    = 10 (langer Bogen, kurzer oder sehr kurzer absteigender Ast)
    = 11 (Spiegelbild von 10)
    = 12 (Zickzack, zwei kurze und eine lange Gerade)
    = 13 (Zickzack, zwei lange und eine kurze Gerade)
    = 14 (kleiner Bogen, lange Gerade mit Kurve und kurzer Geraden)
    = 15 (14 vertikal gespiegelt)

    Abwandlungen von Merkmalsvariationen am Nackenschild (hintere Naht) und am 5. Wirbelschild:

    = 0Re (rechts höher)
    = 0Li (links höher)
    = 0S (Spitze rechts)
    = S0 (Spitze links)
    = 0B (Bogen rechts)
    = 5Re (Bogen nach rechts verschoben)
    = 5Li (Bogen nach links verschoben)

    Auf dem Bauchpanzer (Plastron) gibt es 5 Merkmale. Der Bauchpanzer besteht aus 12 paarig angelegten Schildern, die sich rechts und links entlang der senkrechten Mittelnaht gruppieren. Beginnend mit den Kehlschildern (Gularia) mit der Zahl "1" werden die Schildpaare durchnummeriert, sodaß die Afterschilder (Analia) die Zahl "6" erhalten. Dort, wo sich jeweils die 4 Bauchschilder treffen, werden die Kreuzungspunkte jeweils mit einer Zahlenkombination abgekürzt. Die erste Kreuzung ist die Stelle, an der die beiden Kehlschilder mit den beiden Armschildern (Humeralia) zusammentreffen. Diese Kreuzung wird als "1 x 2" bezeichnet. Siehe rechtes Bild: die entscheidenden Nähte sind wieder rot gekennzeichnet (anklicken zum Vergrössern): anklicken zum Vergrössern

      Bezeichnung der 5 Merkmale am Bauchpanzer:
      Kreuzung von Kehl- und Armschildern = 1 x 2
      Kreuzung von Arm- und Brustschildern = 2 x 3
      Kreuzung von Brust- und Bauchschildern = 3 x 4
      Kreuzung von Bauch- und Schenkelschildern = 4 x 5
      Kreuzung von Schenkel- und Afterschildern = 5 x 6

    Die Variationsmöglichkeiten der einzelnen Nähte werden für ein Merkmalsprotokoll wieder mit Zahlen versehen.

= 0 (alle Schilder treffen sich an einem Punkt)
= 1 (Linkes unteres Schild und rechtes oberes Schild sind durch Naht verbunden, die links höher ist)
= 2 (Linkes unteres Schild und rechtes oberes Schild sind durch horizontale Naht verbunden)
= 3 (Linkes oberes Schild und rechtes unteres Schild sind durch Naht verbunden, die rechts höher ist)
= 4 (Linkes oberes Schild und rechtes unteres Schild sind durch horizontale Naht verbunden)
= 5 (Merkmal 0 mit Schuppe oben)
= 6 (linkes unteres Schild und rechtes oberes Schild sind durch vertikale Naht verbunden)
= 7 (linkes oberes Schild und rechtes unteres Schild sind durch vertikale Naht verbunden)
= 8 (Merkmal 0 mit Schuppe direkt auf der Kreuzung)
= 9 (Merkmal 0 mit Schuppe unten)
Alle diese Merkmale dürfen von den Behörden in einen sogenannten Reptilienpass in Form eines Merkmalsprotokolls eingetragen werden. Diese Eintragungen sind jedoch im Moment noch nicht gesetzlich vorgeschrieben. Ein Reptilienpass sieht so aus, wie auf dem rechten Bild (anklicken zum Vergrössern) Reptilienpass
An diesem Reptilienpass werden dann zusätzlich die Bilder für die Fotodokumentation angebracht. Das sieht dann so aus, wie auf dem rechten Bild (anklicken zum Vergrössern). Reptilienpass mit Bildern und Eintragungen
Noch ein Beispiel für eine Fotodokumentation (anklicken zum Vergrössern). Fotodokumentation mit Bildern und Eintragungen

 
 
Die Homepage wurde zuletzt aktualisiert am 17.11.2017    © E. K.