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Hormonelle Kastration aggressiver Schildkröten - Griechische Landschildkröte, Testudo hermanni

Griechische Landschildkröten
(gilt auch für Maurische Landschildkröte und Breitrandschildkröte)

Hilfe!!!  Meine Schildkröte ist aggressiv

 

 

Immer wieder erreichen mich Anfragen verzweifelter Schildkrötenhalter, deren Tiere sich ganz offensichtlich nicht / nicht mehr zu vertragen scheinen. Auch in den diversen Schildkröten-Diskussionsforen tauchen immer häufiger Anfragen zu sich boxenden und/oder sich beissenden Schildkröten auf. In der Regel handelt es sich dabei um männliche Schildkröten. Dabei waren die Tiere in sehr vielen Fällen von mehr oder weniger klein auf miteinander aufgewachsen. Die Halter gehen -fälschlicherweise- leider davon aus, dass sich miteinander aufgewachsene Jungschildkröten kennen und vertragen sollten. Nicht zuletzt spielten aber bei der Anschaffung mehrerer Jungtiere die -leider auch fälschlicherweise gegebene- Empfehlung, Schildkröten keinesfalls einzeln zu halten, eine maßgebliche Rolle. Verständlicherweise fällt es dem "Rudeltier Mensch" schwer, sich ein zufriedenes Leben als Einzelgänger vorzustellen. Schließlich gibt es für uns kaum etwas Schlimmeres als Einsamkeit. Trotzdem sollte ein erwachsener, verantwortungsbewusster Schildkrötenhalter dazu in der Lage sein, seine eigenen Befindlichkeiten nicht auf seine Reptilien zu übertragen. Siehe auch hier Landschildkröten sind keine Rudeltiere.

Nun liegt das Kind aber im Brunnen, sprich: die in einer Gruppe gehaltenen Landschildkröten-Männchen vertragen sich um so weniger, je älter sie werden. Spätestens dann, wenn die Tiere auf die Geschlechtsreife zutrudeln, machen dominant veranlagte Männchen den anderen Gruppenmitgliedern schwer zu schaffen. Erst recht leiden -noch nicht geschlechtsreife- Weibchen unter dem starken Bedrängen der heranwachsenden Männchen. Schon vor Eintritt der Geschlechtsreife häufen sich Paarungsverletzungen. Aber auch stressbedingte Symptome und Erkrankungen (Parasitenbefall, Futterverweigerung, mangelnde Aktivität, allgemeine Immunschwäche, u. v. m.) sind ein eindeutiges Zeichen dafür, dass sich die Tiere bei dieser (Gruppen-)Haltungsform nicht wohl fühlen. Kein Wunder. Hat doch ein bekannter Schildkrötenforscher ( Adrian Hailey) festgestellt, dass in vom Menschen unberührten Biotopen auf einem Quadratkilometer gerade mal 4 - 5 Schildkröten leben. Schon ab einer Populationsdichte von 7 Tieren pro Quadratkilometer nehmen stressbedingte Erkrankungen und Todesfälle zu.

Und was nun? "Überzählige" Männchen schweren Herzens an einen neuen Wirkungskreis abgeben? Für jeden der Rabauken ein eigenes Gartengehege mit mindestens 10 - 15 qm Fläche! samt Frühbeet und allem Drum und Dran einrichten? Das kostet. Kostet Platz und Geld, was natürlich nicht jeder Schildkrötenhalter so einfach aus dem Ärmel schütteln kann. Zusammen lassen kann man aber die sich ständig raufenden Männchen auch nicht (Tierschutzgesetz § 2: Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, 1. muß das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen, 2. darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, daß ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden.). Hmmm....

Da scheint eine "ganz neue" Methode den Schildkröten samt ihren Haltern zu einer recht passablen Lösung zu verhelfen: die in letzter Zeit von einigen Tierärzten immer öfter angewendete "chemische (= hormonelle) Kastration", die -zumindest erst einmal- alle Beteiligten glücklich macht: die stressgeplagten Schildkröten, den kostengebeutelten Halter und nicht zuletzt auch den Tierarzt, der sich über zufriedene und wiederkehrende Kunden freut ;-) . Das rezeptpflichtige, flüssige Hormon-Präparat wird den Schildkröten vom Tierarzt injeziert, ist also vergleichsweise einfach zu verabreichen. Das Hormon wirkt auf die Hypophyse derart ein, daß die reguläre Funktion der Hoden unterdrückt wird. So unterbleiben auch die typisch "männlich-dominanten" Verhaltensweisen. Die Tiere leben fortan scheinbar friedlich zusammen.
Die große Freude bleibt jedoch nicht lange ungetrübt: weiss man doch aus unzähligen Beispielen bei Hunden, Katzen und anderen Haus- und Nutztieren, dass diese Art der "Kastration" allenfalls eine vorübergehende Lösung sein kann. Bei längerfristiger/häufigerer Anwendung des Hormonpräparats stellen sich erfahrungsgemäß nicht selten Probleme ganz anderer Art ein: das Mittel muss immer wieder mal "nachdosiert" werden, weil es keine Depotwirkung hat; ist also kein so billiges Vergnügen bei mehreren Schildkrötenmännern. Zudem weiß man auch bei Säugetieren, daß es bei so einer Behandlung keine festgelegte Dosis gibt. Jeder Organismus verlangt eine andere Dosierung. Es gibt Tiere, die nach Verabreichung des Präparats keinerlei Wirkung zeigten, aber auch Tiere, die tagelang apathisch reagierten. Schlimmer sind aber dann die -bei Säugetieren und beim Menschen- bekannt gewordenen Langzeitfolgen: die längerfristig hormonbehandelten, ("chemisch kastrierten") Tiere neigen deutlich zur Karzinombildung an Hoden und Prostata. Bei Reptilien ist der Einsatz solcher Präparate noch völlig unerforscht. Ja, man kennt noch nicht einmal das "normale" Hormongefüge dieser Tiere. Geschweige denn, daß man wüsste, wie sich verabreichte Hormonpräparate auf den Reptilienorganismus auswirken.
Unter dieser Voraussetzung halte ich eine solche längerfristige/dauerhafte hormonelle Behandlung nicht nur für zu risikoreich, sondern schlichtweg für tierschutzwidrig.
 
 

Die Homepage wurde zuletzt aktualisiert am 17.11.2017    © E. K.