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Russische Landschildkröten

Die Grundlagen zur artgerechten Schildkrötenhaltung

 

 

1. Schildkröten sind wechselwarme Tiere:

...das bedeutet, daß sich ihre Körpertemperatur der Umgebungstemperatur anpasst. Erst wenn sie durch Aufwärmen in der Sonne in ihrem Körper eine Kerntemperatur von 33°C erreichen können, sind sie in der Lage Futter ausreichend zu verdauen, Organe und Gewebe ausreichend mit Vitaminen, Nährstoffen und Hormonen zu versorgen und Stoffwechselprodukte auszuscheiden.
Deshalb müssen sie im Terrarium und im Freilandgehege die Möglichkeit haben, sich entsprechend aufzuwärmen. Dazu genügt es schon, wenn man tagsüber mit einem Wärmestrahler eine Stelle im Terrarium auf eine Temperatur von mindestens 40°C erwärmt. Desgleichen an kühlen, regnerischen Tagen im Freiland. Die Umgebungstemperatur darf nur bei rund 20 - 28°C liegen, je nach Jahreszeit. Es müssen auch immer kühlere Rückzugsmöglichkeiten angeboten werden. Nachts muß es sogar kühler sein, rund 16 - 20°C, je nach Jahreszeit, ist ausreichend. Für diese Tiere sind wechselnde Temperaturen äusserst wichtig. Sowohl zu kalt als auch permanent zu warm gehaltene Landschildkröten werden auf Dauer schwer krank!
Siehe dazu auch den Beitrag unter "Biologie/Stoffwechsel" und unter "Terrarium-Haltung".

 

2. Russische Landschildkröten sind lichthungrige Sonnenanbeter:

Bei einer zu geringen Beleuchtung nur mit Leuchtstoffröhren oder Glühbirnen erkranken die Tiere wegen dem Lichtmangel. Das gesamte Hormongefüge kommt erst dann richtig in Schwung, wenn diese Tiere ausreichenden Lichtmengen ausgesetzt sind. Sogar Menschen bekommen Stoffwechselstörungen oder "Winterdepressionen" wenn sie zu geringe Lichtmengen abbekommen. Erst recht eine Tierart, die von Natur aus auf die Sonne als Wärmespender angewiesen ist und, je nach Jahreszeit, mehr oder weniger lange Sonnenbäder nimmt. Wie kläglich muß es für so ein Tier sein, wenn es in einem viel zu dunklen Terrarium sein Leben fristen muß. Solche Tiere werden längerfristig schlichtweg krank. Die ersten Symptome dafür sind eine immer verstecktere Lebensweise und verstärkter Parasitenbefall.
Siehe dazu auch den Punkt "Terrarium-Haltung".

 

3. Russische Landschildkröten sind bewegungsfreudige Tiere:

Meiner Erfahrung nach sind alle Russische Landschildkröten recht bewegungsfreudige Tiere. Nur wenn sie sich nicht ausreichend aufwärmen können, unter Lichtmangel leiden, nicht genügend Platz haben oder wenn sie krank sind, leben sie die meiste Zeit versteckt. Nur ganz kleine Schildkröten bis zu einem Alter von ca. 3 Jahren leben sehr viel versteckter als größere Schildkröten, das entspricht auch den natürlichen Verhältnissen. Je älter sie werden, desto lauf- und erkundungsfreudiger werden sie. Berücksichtigen Sie das bitte bei der Auswahl der Terrarien- und Freigehegegröße!
Mehr dazu unter "Terrarium-Haltung" und "Freiland".

 

4. Russische Landschildkröten sind reine Vegetarier:

Althergebrachte Futterrezepturen haben in vergangener Zeit vielen Landschildkröten in's Grab verholfen. Noch heute ist es so, daß sich viele veralteten Fütterungsempfehlungen wacker halten, obwohl man mittlerweile weiß, daß sich diese Tiere in freier Natur ausschließlich von den um sie herum wachsenden Grünpflanzen ernähren. Übermäßige Eiweiß- und Kohlenhydrateversorgung mit Hunde- oder Katzenfutter, in Milch eingeweichten Semmeln oder Brot, zuckerhaltiges Obst, Schildkröten-Dosen-Fertigfutter und auch durch freilebende Schnecken führen zwangsläufig zu tödlichen Organproblemen!
Siehe dazu auch den Punkt "Ernährung".

 

5. Russische Landschildkröten benötigen ausreichend Feuchtigkeit/Wasser:

Aus der Vorstellung heraus, diese Schildkröten kämen aus trockenen mediterranen Regionen mit nur geringen Niederschlägen, werden Russische Landschildkröten sehr häufig zu trocken gehalten. Die Folge davon sind ein Panzerwachstum mit krankhafter Höckerbildung und nicht selten tödliche Nierenprobleme und Gicht. Jede Schildkröte, vor allem aber ein Jungtier, muß deshalb im Terrarium sowie in der Feilandanlage mindestens im Nachtversteck gut feuchten Bodengrund angeboten bekommen (der nicht schimmelt!), in den sie sich komplett eingraben kann. Außerdem sollte immer eine Schale mit sauberem Wasser zur Verfügung stehen, in dem das Tier sitzen und baden, aber mindestens trinken kann.
Siehe dazu auch den Punkt "Ernährung".

 

6. Russische Landschildkröten sind keine Herden- oder Rudeltiere, sondern Einzelgänger:

Die Schildkröten aus einem Gelege schlüpfen zu unterschiedlichen Zeiten aus ihren Eiern. Sie laufen, jede in eine andere Richtung, in ein Versteck, das ihnen Schutz vor Fressfeinden (Krähen, Marder, etc.) bietet. Sie verbringen die ersten Lebensjahre vor der Geschlechtsreife sehr viel Zeit in Verstecken und sie verwenden nur wenig Zeit zum Sonnenbaden und Fressen. Schildkröten betreiben auch keine Brutpflege, wie wir das von vielen Säugetieren her kennen. Daraus folgt, daß Schildkröten in den ersten Lebensjahren weder Kontakt zu ihren Eltern haben, noch besonders häufig Gelegenheit dazu haben, andere Jungtiere zu treffen. Wo also sollten sie irgendwelche Verhaltensweisen oder gar ein "Sozialverhalten" lernen?

Damit sie trotzdem in der Lage sind, sich ausreichend aufzuwärmen, Futter zu finden und sich zu vermehren (und um mehr geht es in einem Schildkrötenleben nicht), hat ihnen die Natur alle nötigen Verhaltensmuster im Erbgut mitgegeben. Sie müssen also auch keine Verhaltensweisen einüben, wie es sozial lebende Tierarten machen müssen. Sie müssen es nicht lernen, weil sie es bereits können.

Alle diese rein instinktgesteuerten Tierarten, die alle Verhaltensweisen vererben, die sie zum Überleben benötigen, sind auf keine Partner angewiesen. Nicht mal auf Geschlechtspartner.
Ein Schlüpfling kommt daher von Anfang an sehr gut alleine zurecht. Er ist mit allem ausgestattet, was er zum Überleben braucht.
Ein Schildkrötenweibchen resorbiert unbefruchtete Eier im Eileiter ohne darüber unglücklich zu sein und ein Männchen ist auch mit einem Stein oder einem Turnschuh zufrieden, den es statt einem "echten" Weibchen besteigt. Keiner von beiden ist überhaupt dazu in der Lage, darüber nachzudenken, was in ihnen passiert, denn mit einem erbsengroßen Hirn ist gar nicht mehr möglich, als auf "primitive" Schlüsselreize zu reagieren. Man kann Russische Landschildkröten also sehr gut ohne Partner alleine halten, ohne daß sie daraus gesundheitlichen Schaden erleiden. Ganz im Gegenteil: Viele Schildkröten werden krank, weil sie sich zu zu vielen Tieren zu dicht auf der Pelle sitzen!

Wenn jemand mehr als das alles in eine Schildkröte hinein interpretiert, dann beruht das nicht auf Erfahrung, sondern viel eher auf eine vermenschlichende Denkweise, wo Rückschlüsse auf Verhaltensweisen mit seinem persönlichen Wunschdenken kollidieren.
 
 

Die Homepage wurde zuletzt aktualisiert am 29.12.2017    © E. K.