Schlüpfling
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Übersicht:
Bisswunden Paarungsverletzung Fressunlust Erkältung / Schnupfen
Panzerbruch Befall mit Fliegenmaden Harnsteine Lungenentzündung
andere offene Wunden Panzernekrose Verstopfung Legenot
Entzündung der Haut
nach Verletzung
Fremdkörper im Mund Vorfall von inneren Organen
/ Organteilen
 
Verbrennungen Augenveränderungen krankhafte Hautablösung durch
Vitamin-A-Vergiftung
Notfallapotheke für
Schildkröten

 

Es kann wirklich jedem von uns passieren: Eine Schildkröte fällt herunter, wird von einem Männchen sehr unsanft behandelt, der Nachbarshund entdeckt Ihre Schildkröte als neuen Kauknochen, kurzum: eine Schildkröte ist verletzt und der nächste Tierarzt ist nicht gleich erreichbar.
In so einer Situation stehen viele von uns reichlich unbeholfen da. Deshalb ist es wichtig, auf solche Vorfälle vorbereitet zu sein. Einige wenige Utensilien, die griffbereit immer parat liegen, können für die verletzte Schildkröte lebensrettend sein.

Diese Seite soll aber bitte keinen Tierarzt ersetzen, sondern das sein, was wir in so einer Situation am nötigsten brauchen:
Eine kleine Anleitung für die wichtigsten Maßnahmen, bis der Tierarzt weiterhelfen kann!!! Drucken Sie sich diese Seite aus (Siehe am Ende der Seite als pdf-Dokument) und legen Sie sich den Ausdruck zu Ihrer Notfallapotheke.
Suchen Sie sich jetzt schon einen Tierarzt in Ihrer Nähe aus, damit Sie im Notfall seine Adresse und Telefonnummer parat haben. Im Ernstfall sollten Sie gleich mit Ihrem Tierarzt telefonieren und ihn davon verständigen, dass Sie mit einem verletzten Tier kommen wollen. Im Fall des Falles ist u. U. jede Viertelstunde kostbar. Siehe hierzu auch diese --> Tierarztliste auf www.tierarzt.schildkroeten.com.
 

Oberstes Gebot bei Unfällen ist jedoch: RUHE BEWAHREN !!!
Wenn das Tier auch noch so schwer verletzt ist, erst mal Luft holen und tiiiief durchatmen; denn falsche Entscheidungen in Panik getroffen können dem Tier mehr schaden als nützen. überlegen Sie sich dann in Ruhe, wie Sie helfen können und legen Sie sich, bevor Sie anfangen, alle nötigen Utensilien zurecht (siehe Vorschläge für eine --> "Notfallapotheke" am Ende dieses Artikels).

1. Äussere Verletzungen an Haut und Panzer:

Ursachen:
Bisswunde von Hund, Marder, Ratten, gossen Vögeln, anderen Schildkröten
Entzündung nach unbemerkter Verletzung
ungeeignetes / unhygienisches Bodensubstrat
Paarungsverletzung bei einem Weibchen in der Kloakenregion
Verbrennung
Panzerbruch nach Sturz oder Einklemmen
 
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Bissverletzung durch einen Hund vom Auto angefahren Paarungsverletzung durch das Männchen

Mögliche eigene Maßnahmen:
Säuberung der Wunde mit klarem fliessendem Wasser. Ist die Wunde verkrustet, evtl. die Schildkröte in ein Bad setzen, dem auch Kamillenextrakt (z. B. Kamillentee durch Kaffeefilter gefiltert oder Kamillosan aus der Apotheke) zugesetzt werden kann.
Das Tier mit einem sauberen Tuch (z. B. frisch gewaschenes Handtuch oder Geschirrtuch) abtrocknen,
anschliessend Desinfektion der Wunde mit jodhaltigem Desinfektionsmittel (z. B. Betaisadona aus der Apotheke). Bitte verwenden Sie keine stark färbenden Mittel, wie z. B. Mercurochrom (blau) oder Gentianaviolett (lila), da dies die Wunde verschleiert und der Tierarzt dann die Wunde schlechter beurteilen kann.
Anschliessend können Sie die Stelle mit einem Wundgel versorgen: Aloe vera-Gel oder Wundsalbe (z. B. Bepanthen-Salbe aus der Apotheke).
Abschliessend sollten Sie das Ganze mit einem sterilen Verband abdecken oder bei kleineren Verletzungen die Kröte auf sauberen Zellstoff setzen. In jedem Fall sollte der Verband oder die Unterlage fusselfrei sein.
 
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Verbandmull zurechtschneiden über die Wunde legen rundherum befestigen Ansicht von oben

Was dann der Tierarzt macht:
Allgemeine StabilisierungsMaßnahmen
Evtl. Schmerzbehandlung
Chirurgische Wundbehandlung, z. B. Wundnaht, wenn nötig
Versorgung mit einem Antibiotikum als Vorbeugung gegen Entzündungen

2. Sonderform bzw. Folge einer Verletzung: Madenfrass

Ursachen:
übersieht man eine kleine Verletzung, dann locken die Wundsekrete häufig Fliegen an, die ihre Eier in die Wunde legen. Gerade bei heisser Witterung schlüpfen die Fliegenmaden sehr schnell und parasitieren in der Wunde: sie fressen sowohl Haut als auch Muskulatur und schädigen so das Gewebe über die ursprüngliche Verletzung hinaus. Ihre Verdauungsrückstände hinterlassen Toxine (Giftstoffe) in der Wunde, was zu einer Vergiftung der Schildkröte führen und ihren Tod zur Folge haben kann.
Das Hauptproblem dabei ist, dass so ein Fliegenmadenbefall oft nicht früh genug erkannt wird. Kontrollieren Sie Ihre Tiere deshalb vor allem im Freiland so oft wie möglich auf Verletzungen, wenigstens aber einmal in der Woche, im Sommer am besten täglich !
 
Madenfrass in der Kloake

Mögliche eigene Maßnahmen:
Die sichtbaren Maden mit einer stumpfen Pinzette vorsichtig aus der Wunde heraussammeln.
Da die Maden sehr häufig in das tiefere Gewebe vordringen und daher gar nicht mehr alle zu sehen sein müssen, die Schildkröte mindestens 2 Stunden lang in ein warmes Wasserbad setzen (so weit, dass sie den Kopf noch herausstrecken kann). Dem Wasser Jod oder ein jodhaltiges Desinfektionsmittel zufügen (z. B. Betaisadona aus der Apotheke). Die Maden krabbeln dadurch aus der Wunde und treiben dann an die Wasseroberfläche hoch.
Evtl. den gleichen Vorgang nach ein bis zwei Stunden wiederholen, bis keine Maden mehr aus der Wunde herauskommen.
Rechnen Sie mit vielen Maden, evtl. einigen Dutzend!
Wichtig: verwenden Sie keine Insektizide, denn die können auch für die Schildkröte giftig sein !

Was der Tierarzt dann macht:
AllgemeinMaßnahmen (Infusionen, intensives Spülen der Wunde mit einem geeigneten Desinfektionsmittel)
Versorgung der Kröte mit Antibiotikum um einer Infektion vorzubeugen.

3. Panzernekrose:

Eine Panzernekrose ist eine tiefe Entzündung in der Horn- und Knochenschicht, woraufhin Gewebe abstirbt.

Ursachen:
Ein früherer Sturz und/oder ein starker Stoss gegen den Panzer. Dadurch entsteht oft eine lang unentdeckte Entzündung unter der Hornschicht. Die Nekrose wird durch eine plötzliche Verfärbung des Panzers (stellenweise Aufhellung oder Verdunkelung) sichtbar.  Stärkere Nekrosen machen sich evtl. auch durch einen unangenehmen Geruch bemerkbar.
Durch diese Stoss-Verletzung oder über die Blutbahn können sich Bakterien oder Pilze im geschädigten Panzergewebe ansiedeln, besonders anaerobe oder keratolytische Arten.
Ganz besonders bei Russischen Landschildkröten und anderen trockenheitsliebenden Arten: eine zu feuchte Unterbringung kann ebenfalls Panzernekrosen verursachen: verregneter Sommer oder gerade auch während der Winterruhe !
Kontrollieren Sie ihre Tiere regelmässig auf Verfärbungen des Panzers.
Hinweis: eine rötliche Verfärbung hat eine andere Ursache, ist aber nicht weniger akut und daher schnellstens vom Tierarzt zu behandeln.
 
 
abgestorbenes Gewebe  wird abgetragen die Wunde desinfizieren dann gut abdecken und den Verband gut ankleben

Mögliche eigene Maßnahmen:
Wenn keine zu grosse Fläche betroffen ist, mit einem Messerchen die losen (evtl. weichen)Stellen bis zum gesunden Gewebe abschaben oder abblättern (das kann evtl. auch bluten !).
Anschliessend eine pure Jodlösung oder ein jodhaltiges Desinfektionsmittel (z. B. Betaisadona aus der Apotheke) satt auftragen.
Einen Verband anlegen (siehe oben: Wundbehandlung bei Verletzungen) und das Tier trocken und sauber z. B. auf Zellstoff setzen.
Wichtig: Mir wurden schon "nekrotische" Stellen bei Schildkröten gezeigt, die nichts anderes waren, als eine abgeschabte Hornschicht durch ungeeignete Unterbringung (ständiges Schaben an Steinplatten oder bei zu niedrigen Durchgängen in Schutzhütten hinein). Hier sieht man den hellgrauen, festen Knochen, der natürlich nicht abgetragen werden darf. Sollten Sie unsicher sein, ob es sich überhaupt um eine Panzernekrose handelt, dann machen Sie lieber gar nichts und zeigen das Tier umgehend am nächsten Werktag einem schildkrötenerfahrenen Tierarzt !

Was der Tierarzt dann macht:
Begutachtung und gründliche Säuberung der Stelle.
Besonders bei grossflächigen Nekrosen schabt oder fräst der Tierarzt die Stelle(n) unter Narkose ab.
Abstrich aus der Wunde, um den Verursacher festzustellen (Pilz, Bakterien).
Versorgung der Wunde mit einem geeigneten Desinfektionsmittel.
Versorgung des Tieres mit Antibiotikum um einer Infektion vorzubeugen.

4. Fremdkörper im Mund:

Ursachen:
Holzstückchen, Einstreuteile, Angelhaken bei Wasserschildkröten, Eiterbeläge (Herpesinfektion!)
 
dicke Eiterbeläge im Maul

mögliche eigene Maßnahmen:
Den Kopf aus dem Panzer hervorziehen und fixieren. Den Unterkiefer nach unten drücken, bis sich das Maul öffnet (evtl. erst leicht am Unterkiefer entlang streicheln), den Fremdkörper mit einer stumpfen Pinzette vorsichtig herausziehen. Eventuelle Eiterbeläge mit einem in Jod getauchten Wattestäbchen (3x ein frisches nehmen) auswischen.
 
ein Fremdkörper wird entfernt

Was der Tierarzt dann macht:
Kontrolle auf tiefere Verletzungen im Maul
Ursachenabklärung bei Eiterbelägen (z. B. Herpestest)
Verabreichung eines Antibiotikums um einer Infektion vorzubeugen.

5. Augenveränderungen:

Ursachen:
Entzündungen, Fibrinpfröpfe nach dem Winterschlaf, Fremdkörper, Lidödeme, Verletzungen
 
Augenbelag

Mögliche eigene Maßnahmen:
Manchmal hilft schon ein feiner, lauwarmer  Wasserstrahl ins Auge zum Spülen (z. B. mit einer Einwegspritze ohne Kanüle). Ansonsten mit klarem Wasser oder verdünntem (!) Kamillentee und einem Wattestäbchen die Sekrete und evtl. Fremdkörper vorsichtig entfernen. Evtl. das Tier in lauwarmem Wasser baden und anschliessend auf sauberen Untergrund (Zellstoff, Küchenrolle-Papier) setzen.
 
zur Behandlung den Kopf fixieren

Was der Tierarzt dann macht:
Abklärung der Ursache
spezielle Augensalbe
falls nötig, Fremdkörperentfernung in Narkose
evtl. Verabreichung eines Antibiotikums um einer Infektion vorzubeugen.

6. Vorfälle (Prolaps):

Welche Körperteile können (aus der Kloake heraus) vorfallen:
Kloake, Darm, Penis, Klitoris, Eileiter, Blasenhals
 
Penisvorfall Kloakenvorfall Vorfall zurückschieben

Hinweis: Ein echter Penisvorfall besteht nur, wenn das Männchen den Penis auch nach längerer Zeit (mehr als ca. 15 Minuten) nicht alleine wieder zurückziehen kann. Manche Tiere stülpen ihren Penis auch mal bei Stress oder zum Kotabsatz kurzfristig aus, das ist nicht behandlungsbedürftig.

Ursachen:
Durchfall, Verstopfung, Steine im Darm, Legenot, Paarungsverletzung (meist beim Weibchen durch den Endnagel des Schwanzes vom Männchen; seltener ist der Penis des Männchens verletzt), oft besteht bei dem Tier ein Pressreiz (Atmung beobachten: presst das Tier ?), der den Vorfall verstärkt.

Mögliche eigene Maßnahmen:
Bad in warmem Kamillentee oder klarem Wasser, evtl. Verschmutzungen enfernen. Den Vorfall ca. 3 Minuten unter kaltem Wasser abspülen, damit er sich zusammenzieht. Man kann anschliessend mit einem eingecremten Wattestäbchen versuchen, den Vorfall vorsichtig wieder zurückzuschieben, wenn er noch nicht blauschwarz verfärbt ist (nur der Penis ist immer dunkel gefärbt !). Anschliessend das Tier auf sauberen Untergrund setzen (Küchenrolle-Papier) und beobachten, ob der zurückgeschobene Vorfall da bleibt, wo er hin sollte. Lässt sich der Vorfall nicht zurückschieben, fällt er wieder vor oder beginnt er sich blauschwarz zu verfärben (was zeigt, dass das Organ/Organteil beginnt abzusterben oder schon abgestorben ist), dann einen Windelverband anlegen und gleich zum Tierarzt fahren.
 
Windelverband

Was der Tierarzt dann macht:
Abklärung der Ursachen (z. B. Röntgenbild bei Legenot)
Reposition (Zurückschieben) unter Narkose mit anschliessender Naht
Bei Nekrose (Absterben des Vorfalls) Amputation (schnipp :-) )

7. Verstopfung:

Symptom: Wiederholtes Pressen mit hochgestelltem Hinterleib ohne Erfolg (siehe auch --> "Harnsteine")

Ursachen:
Sand, Steine, Einstreu (z. B. Holzspäne), Fremdkörper im Darm
Bei Weibchen können vor der Eiablage die Eier auf den Darm drücken
Darmparasiten (vor allem Würmer)
Lähmungen
(siehe auch die Kapitel: Terrarienausstattung, Ernährung, Krankheiten/Legenot und Krankheiten/Parasiten!)

mögliche eigene Maßnahmen:
Wiederholte Bäder in warmem Wasser bei 35°C,
Öl (Paraffinöl aus der Apotheke, kein Pflanzenöl oder Mineralöl!!) in die Kloake spritzen (Einwegspritze ohne Kanüle, evtl. mit aufgestecktem kurzem, weichem Schlauch
Zwangseingabe von Paraffinöl (evtl. mit einer Magensonde) (1 ml Öl pro kg Schildkröte)
 
warmes Bad

Was der Tierarzt dann macht:
Einlauf, Infusion, evtl. Röntgenbild, evtl. Legenotbehandlung

8. Harnsteine:

Symptom: Wiederholtes Pressen mit hochgestelltem Hinterleib ohne Erfolg (siehe auch --> "Verstopfung")

Ursachen:
Steinbildung in der Harnblase, meist Uratsteine
Zu hohe Eiweisszufuhr, Wassermangel (auch zu trockenes Substrat bei Europäern !), Blasenentzündung (z. B. durch Hexamiten = Einzeller)

(siehe auch die Kapitel: Ernährung, Terrarienaustattung, Krankheiten/Harnwege und Krankheiten/Parasiten)
 
Dieser Harnstein kommt gerade zum Vorschein mehrere Harnsteine im Grössenvergleich

mögliche eigene Maßnahmen:
Wiederholte Bäder in warmem Wasser bei 35°C,
öl (Paraffinöl aus der Apotheke !) in die Kloake spritzen (Einwegspritze ohne Kanüle, evtl. mit aufgestecktem kurzem, weichem Schlauch
Falls der Stein in der Kloake sichtbar ist, ihn sehr vorsichtig mit einer stumpfen Pinzette herausziehen oder zerdrücken.

Sollte das keinen Erfolg bringen, umgehend zum Tierarzt fahren.
Unbedingt Ernährung und Haltungsbedingungen überprüfen und ändern !

9. Fressunlust:

gut fressende Tiere

Ursachen:
Es sind die unterschiedlichsten Ursachen möglich:
Vor der Winterruhe (normal wegen der reduzierten Temperaturen; soll das Tier jedoch nicht eingewintert werden, Haltungsbedingungen überprüfen: siehe auch unter: Winterruhe, Beleuchtung, Heizung)
Nach der Winterruhe: einige Tage Fressunlust ist möglich, stimmen die Haltungsbedingungen (Licht, Wärme) und die Kröte frisst nach einer Woche immer noch nicht --> unbedingt zum Tierarzt !)
Legenot (viele Weibchen stellen ein bis zwei Tage vor der Eiablage das Fressen ein, das ist normal. Werden dann aber keine Eier abgelegt, besteht der Verdacht der --> Legenot)

weitere Ursachen: Verstopfung, Probleme in der Mundhöhle (Fremdkörper,Verletzung), Stoffwechselprobleme, Stress (durch aufdringliche Männchen oder generell unverträgliche Tiere; zu enge oder generell ungeeignete Haltungsbedingungen), andere organische Erkrankungen oder Infektionen

mögliche eigene Maßnahmen:
Bäder in lauwarmem Wasser (30° - 35°C), Eingabe (evtl. mit einer Magensonde): von Flüssigkeit (Wasser, Gemüsesaft ohne scharfe Gewürze; z. B. Naturkind oder Biotta), Babybrei (Alete, Hipp, Bebevita: "Gemüseallerlei" für Säuglinge), Wiesenfutter (zerkleinert und zu Kügelchen gerollt oder püriert) oder noch viel besser: --> Critical Care®
Zur besseren Kontrolle das Tier unbedingt einzeln setzen

Haltungsbedingungen überprüfen / ändern. Siehe hierzu auch die Kapitel: Terrarienausstattung, Freilandgehege, Ernährung, Beleuchtung, Heizung)

Frisst das Tier mehrere Tage nicht, dann auf jeden Fall zum Tierarzt fahren !
 
Kopf fixieren Wassereingabe Sondenernährung

Was der Tierarzt dann macht:
Abklärung der Ursache, Röntgen, Blutuntersuchungen, Zwangsernährung, Infusionen

10. schwere Erkältung / Lungenentzündung:

Symptome:
feuchte Nase (ausser nach dem Fressen oder Trinken), Bläschen oder Schleim an der Nase, sehr häufiges "Gähnen", rasselnde oder quietschende Atmung; vor allem nachts, Atmung mit offenem Maul.
 
Maulatmung Schnupfennase

Ursachen:
Meist sind Erkältungen verursacht durch unzulängliche Haltungsbedingungen: Kälte, Stress, zu staubiges Substrat, Ernährungsfehler, UV-Mangel, Lichtmangel.
Ausserdem sind möglich: Bakterien, Viren (Herpesinfektion), Mykoplasmeninfektion, Pilzinfektion der Atemwege, Darmparasiten.

mögliche eigene Maßnahmen:
Das Tier warm setzen (--> Terrarium)
Nasenschleim abwischen,
Nasenspülung mit Kamillentee (Kamillosan aus der Apotheke) oder auch Salzwasser (1 leicht gehäufterTeel. - max. 9 g - auf 1 Liter Wasser oder mit Ringerlösung aus der Apotheke)
Maul  auswischen (Wattestäbchen), warme Kamillenbäder, das Tier unter den Wärmestrahler setzen (min. 35°C, für Ausweichmöglichkeit sorgen), 1 - 2 Tropfen Cajeput-öl oder Niaouli-öl (nur aus der Apotheke, nicht vom Asiatika-Händler !!) auf ein Tuch/Tempo tropfen und ins Terrarium legen (wirkt schleimlösend und auswurffördernd). Über Nacht kann das Tier auch in einen Brutkasten gesetzt werden: 30°C, 80 - 90% Luftfeuchtigkeit).

Hinweis: Da Schildkröten kein Zwerchfell haben, können sie nicht husten oder niesen und damit keinen Schleim entfernen. Starke Verschleimung kann zum Erstickungstod führen !
Möglichst bald einen Tierarzt aufsuchen

Was der Tierarzt dann macht:
Abklärung der Ursache, Abstrich, Blutuntersuchung, Parasitenbehandlung, evtl. Verabreichung eines Antibiotikums, Haltungsbesprechung

11. Legenot:

Ursachen:
Fehlende / ungeeignete Eiablagemöglichkeiten, Kalziummangel, UV-Mangel, Lichtmangel, zu kalte Haltung, Stress durch Mitbewohner/Männchen, zu grosse/deformierte Eier, Legedarmentzündung
siehe dazu auch das Kapitel: Krankheiten/Legenot

mögliche eigene Maßnahmen:
Geeigneten Eiablageplatz schaffen (arteigene Ablagegewohnheiten beachten, individuelle Abweichungen einkalkulieren)
Männchen und andere unverträgliche Weibchen abtrennen, Bäder in lauwarmem Wasser (30 - 35°C), dazu Bestrahlung mit Rotlicht, Badewanne auf eine Heizmatte stellen

Hinweis: Werden die Eier nicht innerhalb von zwei Tagen abgelegt, dann unbedingt zu einem Tierarzt, so lange das Tier noch in guter  Verfassung ist. Bei gestörtem Allgemeinbefinden (schwere Atmung, Fressunlust, Absondern und Aufsuchen kühler Stellen, Apathie, tagsüber versteckt sitzen) bitte sofort zu einem fachkundigen Tierarzt fahren.

Was der Tierarzt dann macht:
Abklärung der Ursache, Röntgen, Wehenspritzen, operative Entfernung der Eier.
 
Röntgen warmes Bad

12. krankhafte Hautablösung / Vitamin-A-Vergiftung:

Ursachen:
Unkontrollierte Gabe von Vitamin-Präparaten und daraus folgende Überdosierung von Vitamin A.
Vitamin-Cocktail-Injektion durch einen fachunkundigen Tierarzt.

Verabreichen Sie keinerlei Vitaminpräparate auf eigene Faust!
siehe dazu auch: --> Krankheiten/Hautprobleme

mögliche eigene Maßnahmen:
Das Tier in einem Terrarium trocken, staubfrei, keimarm und kühl setzen.
Das Tier sehr vorsichtig anfassen oder besser in Ruhe lassen (es hat große Schmerzen!)
Genauere Hinweise unter diesem Link: --> Vitamin-A-Vergiftung *klick*
Bitte sofort zu einem schildkrötenerfahrenen Tierarzt fahren. ( Tierarztliste *klick* )

Was der Tierarzt dann macht:
Verabreichung eines Antibiotikums und Schmerzbehandlung.
 
Hautablösung am Hals Hautablösung an der Kloake Hautablösung am Hinterbein
(c) alle 3 Bilder "Hautablösung": Erik O.

13. Wie ist die Notfall-Apotheke für Schildkröten sinnvoll ausgestattet:

die Notfallapotheke

Mehrere Einwegspritzen, z. B. 3 x 1 ml, 3 x 5 ml, 3 x 10 ml  (keine Kanülen dazu nötig) (Apotheke)
1 - viele Knopfkanülen oder besser (weil weicher) Schlauchsonden (Ernährungssonden)
     (von Ihrem Tierarzt: Knopfkanüle oder Harnwegskatheder für Katzen oder Venenkatheder,
     1,2 - 5 mm Durchmesser je nach Tiergrösse,
     lassen Sie sich die Anwendung bei Ihrem Tierarzt vorher zeigen !)
1 gute Schere
1 scharfes Messer
1 - viele Spatel (Holz) (Apotheke)
1 gute stumpfe Pinzette
1 gute --> Waage (elektronisch, Wiegeeinheit im 2g-Schritt: --> Briefwaage / Küchenwaage)
1 - 2 Verbandmull-Päckchen (Apotheke)
1 Rolle Gewebeklebeband (Leukoplast, Apotheke, oder festes Gewebeklebeband aus dem Baumarkt)
viele Wattestäbchen
1 Schüssel zum Baden (Haushaltsbox, Curverbox; je nach Tiergrösse)
1 Heizmatte, ca. 30 oder 40 W, wasserdicht ! (z. B. Fa. Acculux: --> Thermolux Heizmatte)
1 Rotlichtstrahler ( 60 - 100 W)
1 gutes Thermometer zur Temperaturkontrolle
1 Pürierstab zum Zerkleinern von Futtermitteln zur Zwangsernährung
1 Jodlösung, z. B. Betaisadona flüssig (Apotheke)
1 Wundsalbe z. B. Bepanthen, Aloe-Gel (Apotheke)
Kamillentee / Kamillosan (Kamillenextrakt aus der Apotheke)
10 ml Paraffin-öl (Apotheke)
Für den Tierbesitzer: ein gutes Hände- und/oder Flächendesinfektionsmittel: z. B. Sterillium, Vetisept-Lösung (Apotheke)

Lassen Sie sich bei der Zusammenstellung gerne auch von Ihrem Tierarzt beraten

Am besten ist es, wenn diese Utensilien immer griffbereit an einem festen Platz alle beieinander liegen, damit sie im Notfall jederzeit griffbereit sind. (z. B. in einem Koffer oder in einer Kiste oder Schublade)

Last but not least:
Vor allen BehandlungsMaßnahmen bei evtl. Notfällen bedenken Sie bitte noch folgendes:
Am wichtigsten ist immer die Vorbeugung !
Viele Notfallsituationen würden sich sehr oft verhindern lassen, wenn die Tierbesitzer

  • die Haltungsbedingungen so optimal wie möglich gestalten würden (Licht, Wärme, UV-Versorgung, genügend Verstecke, weiträumige Gehege/Terrarien)
  • die Tiere regelmässig kontrollieren würden
  • die Tiere regelmässig wiegen würden
  • rechtzeitig einen schildkrötenerfahrenen Tierarzt aufsuchen würden.

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Mein herzlichster Dank für die grossartige Unterstützung zu dieser Seite geht an:
Frau Doris Dühr
Tierärztin
Godramsteiner Str. 9
76833 Böchingen   ( bei Landau/Pfalz )
Tel.  06341 - 96 99 99
Fax. 06341 - 96 25 25

email: mail an exotenpraxis.de

www.exotenpraxis.de

Alle Bilder auf dieser Seite (außer 3 x "Hautablösung"):  (c) Frau Doris Dühr !!