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Die Zacken-Erdschildkröte
Geoemyda spengleri

Eine landlebende Sumpfschildkröte
aus den Regenwäldern Asiens



Übersicht:    
Geoemyda spengleri, Zacken-Erdschildkröte
(Bilder anklicken zum Vergrössern)
Schutzstatus
Herkunft
Aussehen/Größe
Lebensweise
Terrarium
Beleuchtung
UV-Versorgung
Beheizung
Fütterung
Wasserversorgung
Jahreszeiten
Winterruhe
Geschlechtsunterschied
Zucht
Krankheiten


Schutzstatus:
Die Schildkröten unterliegen seit dem 22.08.2005 dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen und sind dort in Anhang II gelistet. Sie sind außerdem in der --> EU-Verordnung in Anhang B gelistet und sie sind auch nach dem Bundes-Naturschutzgesetz besonders geschützt. Es sind für diese Art also behördlich ausgestellte Papiere notwendig (sogg. EU-Bescheinigung -gelbes Formular-), die man von jedem seriösen Züchter mit der Schildkröte mitbekommt. Es besteht auch eine Meldepflicht bei der örtlich zustšndigen Artenschutzbehörde.

Herkunft:
Regenwälder im südlichen China und Vietnam; vermutlich auch Laos, Indonesien (Sumatra), Malaysia (Borneo). Die meisten Tiere bei uns dürften aus China und Vietnam stammen. Da wahrscheinlich fast alle bei uns importierten Schildkröten von den riesigen Tierhändler-Märkten aus Honkong stammen, läßt sich über die tatsächliche Herkunft der Tiere nur sehr schwer etwas sagen.

Aussehen, Größe:

Die Zacken-Erdschildkröten sind relativ kleinbleibende Schildkröten, die sich recht gut in einem Terarium halten lassen: Männchen um 9 - 12 cm, Weibchen um 12 - maximal 15 cm Panzerlänge. Es gibt unterschiedliche Lokalformen aus den diversen Importländern. Diese variieren etwas in Größe und Färbung. Chinesische Tiere sind oft eher gelblich und kleiner als z. B. die eher rötlichbraun gefärbten, größeren Tiere aus vermutlich Vietnam.

G. spengleri, Carapax-Ansicht G. spengleri, Plastron-Ansicht
gelbliche, kleinere Form: Männchen, 9 cm lang, 80 g schwer; vermutlich aus China

Lebensweise:

 

Die bodenlebenden Bewohner tropischer Regenwälder haben eine eher versteckte Lebensweise auf und unter Fallaub und feuchtem Moos und lauern dort auf ihre Futtertiere (Lauerjäger). Man findet die Tiere in freier Natur von Tieflagen bis in Höhenlagen bis 1000 m ü. NN..
Feucht-kühles Klima. Im Sommer fast täglich Regen. Im Winter wesentlich trockener.
Der flache Panzer, dessen Form und Farbe an ein getrocknetes Blatt erinnert, verschafft den Tieren in ihrem Lebensraum eine hervorragende Tarnung.
Die Schildkröten leben vorwiegend tagaktiv, sind aber teilweise auch dämmerungs- und nachtaktiv. Sie baden gerne, aber schwimmen nie.

 Zacken-Erdschildkröte in Sphagnum-Moos

Die Tiere sind Einzelgänger: Einzelhaltung, da anderen Artgenossen gegenüber unverträglich. Auch Pärchen vertragen sich auf Dauer nicht. Spengleris, die auf Dauer zu mehreren in einem Terrarium gehalten werden, kümmern, neigen verstärkt zu Krankheiten (vor allem Einzellerinfektionen) und sterben meiner Erfahrung nach schließlich scheinbar grundlos; auch wenn sie sich nicht offensichtlich bekämpfen oder beissen.

Terrarium:

Terrarium für G. spengleri Terrarium für G. spengleri
Dieses Terrarium hat die Grundfläche von 100 x 60 cm und ist 40 cm hoch.

Terrarium für G. spengleri Terrarium für G. spengleri


Terrariengröße: Mindestens 100 x 50 cm für 1 Tier.
Einrichtung als Regenwaldterrarium mit 5 - 8 cm hoch aufgeschüttetem, weichem Bodengrund (Kokosfasersubstrat), abgedeckt mit einer Laub- und/oder Moos-Schicht (schimmelresistentes Buchenlaub, frisches oder getrocknetes Sphagnum-Moos).
Der Bodengrund und das Moos müssen während der Aktivitätszeit immer leicht feucht gehalten werden (viel Sprühen und auch mal gießen).
Zusätzliche Verstecke und Klettermöglichkeiten aus Korkrinde und Wurzeln schaffen.

G. spengleri in ihrer Höhle G. spengleri unter einer Wurzel 
G. spengleri als Klettermaxe

Da Pflanzen nicht (an)gefressen werden, kann das Terrarium auch sehr schön bepflanzt werden. Es eignen sich alle Zimmerpflanzen, die feucht-kühles bis feucht-warmes Klima vertragen: Kalanchoe blossfeldiana (Flammendes Käthchen), Scindapsus (Efeutute), Ficus pumila (Kletterficus), Grünlilie, diverse Farne, Gräser, etc.

Kalanchoe blossfeldiana (Flammendes Käthchen)

Terrarium für G. spengleri Terrarium für G. spengleri

Eine sommerliche Haltung in einem Garten-Freigehege, wie sie auf einzelnen Internetseiten beschrieben wird, kann ich keinesfalls empfehlen. Das Klima, aus dem diese Schildkröten stammen, ist ganz sicher sehr viel ausgeglichener und stabiler als das unsere. Selbst im Hochsommer herrschen bei uns viel zu starke nächtliche Temperaturabsenkungen, die diese Tiere auf längere Sicht ganz sicher nicht vertragen.

Beleuchtung:
Die Schildkröten lieben als Waldbewohner nur eine düstere Beleuchtung: kleine Leuchtstoffröhre (15 - 18 W) ist tagsüber ausreichend. Werden die Schildkröten zu hell gehalten, kommen sie tagsüber aus ihrem Versteck nicht mehr heraus.
Beleuchtungsrhythmus, je nach Jahreszeit, von 10 - 14 Stunden am Tag (im Sommer länger). Während der Winterruhe genügt Tageslicht: Bleuchtung abschalten.

UV-Versorgung:
Meine Geoemyda spengleri benötigen keine UV-Versorgung.

Beheizung:
Geoemyda spengleri darf als Waldbewohner nicht zu warm gehalten werden.
Als Grundtemperatur ist während der Aktivitätszeit Zimmertemperatur um 18 - 20°C (nachts) bis 22 - 25°C (tagsüber) ausreichend. Ein 40 W Wärmestrahler (Glühbirnen-Reflektorstrahler: z. B. Osram Concentra) sorgt für einen lokalen Wärmeplatz, unter dem es 28°C erreichen soll.
Im Hochsommer an sehr heißen Tagen (über 27°C Zimmertemperatur) den Behälter kühler stellen oder alle Lampen ausschalten und den Bodengrund gut feucht halten, damit die Schildkröten nicht überhitzen!
In dem Fall lasse ich die Beleuchtung eingeschaltet, schalte aber den Wärmestrahler aus, entferne die Frontscheiben des Terrariums und ersetze sie durch einen schmalen Streifen Hartfaserplatte, damit die Wärme besser entweichen kann und meine spengleris nicht über den Rand steigen und ausbüchsen können. Gleichzeitig wird viel gesprüht.

Terrarium für G. spengleri im Hochsommer

Fütterung:
Zacken-Erdschildkröte beim Fressen einer Schnecke

Die Zacken-Erdschildkröten fressen ausschließlich lebende tierische Kost:
Regenwürmer, Tauwürmer, Nacktschnecken, Gehäuseschnecken (samt Haus), Grillen, Heimchen, Asseln, kleine Heuschrecken, Maden, Engerlinge, Raupen, Wachsmaden und auch mal eine eintägige Babymaus. Wenn die Schildkröten eine Babymaus vom Geruch her kennen, können auch gefrorene, aufgetaute Mäuse verfüttert werden. Frisch importierte Schildkröten gehen ausschließlich an sich bewegende, also lebendige Futtertiere.
Gesunde spengleris sind ausgesprochen gierige Fresser. Sie dürfen nur alle 2 - 3 Tage gefüttert werden, da sie sonst irgendwann an Leberverfettung eingehen! Noch wachsende Jungtiere werden alle 2 Tage gefüttert.
Das Futter, vor allem die Insekten, immer wieder mal mit geriebener --> Sepiaschale bepudern.

Tauwurm Schnecken
Gehäuseschnecke Assel

Das zappelnde Futtertier wird mit den Vorderfüßen festgehalten und bei Bedarf auch mit den Füßen zurecht geschoben, damit es bequem in's Maul hinein passt.

Zacken-Erdschildkröte beim Fressen eines Regenwurms Zacken-Erdschildkröte beim Fressen eines Tauwurms

Grillen und Heimchen nie überzählig im Terrarium lassen, da vor allem Grillen die Schildkröten sonst u. U. anfressen!

Wasserversorgung:
Auch wenn Geoemyda spengleri zu den Sumpfschildkröten zählen, sind sie keine Schwimmer wie viele anderen Wasser- und Sumpfschildkröten. Sie lieben es aber, bei flachem Wasserstand immer wieder ein ausgiebiges Bad zu nehmen. Dafür sollte ein ausreichend großer, flacher Behälter im Terrarium stehen (z. B. ein 15 cm großer Blumentopfuntersetzer). Dieser muß täglich gereinigt werden, weil die Tiere daraus trinken, darin aber auch Kot und Urin absetzen.

G. spengleri beim Bad Zacken-Erdschildkröte beim Trinken

Jahreszeiten:
Auch für die bei uns im Terrarium gehaltenen Schildkröten ist die Einhaltung eines halbwegs natürlichen Jahresrhythmus sehr wichtig. Wechselnde Temperaturen und Lichtverhältnisse bewirken bei den wechselwarmen Tieren sowohl aktive Phasen als auch Ruhephasen. Das bedeutet, daß sowohl die Temperaturen als auch Lichtintensität, Beleuchtungslänge und Feuchtigkeit dem Jahresverlauf angepasst werden müssen. Vom lichtintensiveren, feuchteren und wärmeren Sommer mit längeren Tagen sollte sich der dunklere, trockenere und kühlere Winter mit seinen kürzeren Tagen deutlich unterscheiden. Dies erreicht man durch eine variable Steuerung von Beleuchtung und Wärmelampe per Zeitschaltuhr. Meine spengleris haben im Sommer 13 Stunden und im Winter 9 Stunden Licht, bzw. während der Winterruhezeit bleiben alle Lampen komplett ausgeschalten, sodaß nur Tageslicht das Terrarium erreicht.

Winterruhe:
Im natürlichen Lebesraum fallen die Temparaturen im Winter vor allem nachts sehr stark ab (teilweise bis an die Frostgrenze). Deshalb halten die Zacken-Erdschildkröten eine 6 - 10 wöchige Winterruhe.
Dazu senke ich ab Ende November die Terrarientemperatur immer weiter ab ( Wärmestrahler ausschalten, Zimmertemperatur senken) und halte den Boden zunehmend trockener. 2 Wochen später stellen die Tiere die Futteraufnahme komplett ein. Nochmals 2 Wochen später (ca. Ende Dezember) bleiben die Tiere unter Laub oder feuchtem Moos versteckt. Ab dieser Zeit schalte ich auch die Beleuchtung komplett aus und halte die Umgebungstemperatur bei rund 12 - 15°C. So verbringen die Schildkröten ca. 2 Monate. Danach (etwa Ende Februar) wird im Laufe einer Woche die Temperatur langsam wieder erhöht und das Terrarium reichlich angefeuchtet/beregnet. Spätestens nach dieser Woche erscheinen die Tiere wieder an der Oberfläche, sind aktiv und nehmen das Futter sofort wieder gut an.

Geschlechtsunterschied:
Insgesamt bleiben Männchen etwas kleiner als Weibchen. Man muß dabei aber auch berücksichtigen, daß es unterschiedlich große Lokalformen gibt!
Am besten erkennt man den Geschlechtsunterschied, wenn man sich das Hinterteil von unten ansieht. Die Männchen haben einen deutlich längeren und dickeren Schwanz als die Weibchen. Die Kloake sitzt beim Männchen immer außerhalb des Panzerrandes.

Zacken-Erdschildkröte Männchen Zacken-Erdschildkröte Weibchen
MännchenWeibchen

Vermehrung/Zucht:
Schon in der ersten Woche nach der Winterruhe beobachte ich bei meinem Männchen eine ganz ungewohnte Unruhe. Er ist dann außergewöhnlich viel in seinem Terrarium unterwegs. Die Weibchensuche ist wohl im Moment das Wichtigste für ihn. Das ist der Zeitpunkt, wo man ein Männchen sehr gut zu einem Weibchen zur Paarung setzen kann. Es ist aber unbedingt darauf zu achten, daß das Weibchen auch paarungsbereit ist und das Männchen nicht wegbeisst. Paarungsverletzungen wären sonst die unangenehme Folge, bis hin zu einem abgebissenen Penis, den das Weibchen mit einem Wurm verwechselt. Die Paarung ist deshalb gut zu beobachten, damit man im Fall des Falles gleich eingreifen kann. Wenn das Weibchen ruhig hält und das Männchen von hinten aufsteigen lässt, ist alles in Ordnung. Nach erfolgter Paarung sind die Tiere wieder getrennt zu halten.
Die Weibchen legen in der Regel mehrmals im Jahr nur ein Ei, das sie an passender Stelle entweder unter Moos verstecken oder (seltener) im Bodensubstrat vergraben. Nach Beobachtungen einiger Halter scheinen die Weibchen ihr Ei für eine Weile regelrecht zu bewachen. Das kann man jedoch nur bei einzeln gehaltenen Weibchen beobachten. Belässt man die Eier im Terrarium, beträgt die Brutzeit rund 90 - 100 Tage.

Leider gibt es bei uns nach wie vor nur wenige Halter, die diese Art regelmäßig nachzüchten können. Ein wesentlicher Grund für die wenigen Nachzuchten ist meiner Ansicht nach die immer noch weit verbreitete Haltung von mehreren Tieren in einem Terrarium. Dies führt bei den Schildkröten zu unnötigem Stress und die Eiablagen bleiben aus oder die Eier sind unbefruchtet.

Zacken-Erdschildkröten bei der Paarung

mögliche Krankheiten:
Viele der bei uns angebotenen Tiere sind durch Fang, lange Transportwege und häufigen Ortswechsel von einem Händler zum nächsten stark geschwächt. Sie haben durch Stress ein geschwächtes Immunsystem, was sie krankheitsanfällig macht. Durch den Massenversand konnten sich u. U. auch Parasiten ausbreiten, die den frisch importierten Tieren sehr oft zu schaffen machen. Wenn Ihre neu erstandene Zacken-Erdschildkröte auf Dauer gesund bleiben soll, ist sofort nach dem Kauf eine tierärztliche Kotkontrolle auf Würmer und Einzeller Pflicht. Dazu bringt man das/die Tier/e zu einem auf Schildkröten oder zumindest Reptilien spezialisierten Tierarzt. Geeignete Adressen finden Sie --> hier . Normale Kleintier-Tierärzte sind zu solchen Untersuchungen nicht ausgebildet und durch Fehlbehandlungen werden die Tiere oft noch kränker als sie ohnehin schon sind.
Ansonsten sind diese kleinen Schildkröten recht robuste Gesellen, sofern sie unter artgerechten Bedingungen und einzeln gehalten werden. Gruppenhaltung stresst und schwächt sie und macht sie auf Dauer ebenfalls krankheitsanfällig. Tiere, die zu warm gehalten werden, neigen nach Beobachtung einiger Halter zu Ödemen an den Augen (Schwellung, Wasseransammlung). Dies geht zurück, wenn man die Umgebungstemperatur unter 27°C senkt.
 

Weitere gute Informationen finden Sie unter: --> http://www.spengleri.de

und in dem Buch von Ingo Schaefer: -->

 
  04. März 2007, © E. K.